Preußen. Erhebung im Jahre 1813. 325
nichtung der Franzosen-Herrschaft, mit einander vereinigt. DieSeele dieses Bundes war der Freiherr von Stein, ein ebenso un-wandelbar rechtlicher, als energischer und durch ritterlichen Charakterausgezeichneter Mann, für dessen Thätigkeit in den Jahren 1812und 1813 noch der Umstand sehr bedeutend war, daß er damalsweder in russischen, noch in preußischen Diensten stand, obgleich erim Auftrage von Rußland und Preußen die Geschäfte besorgte undzum Theil leitete.
Von ihm angeregt, hatte sich zuerst in der Provinz Preußender Kern eines tüchtigen Heeres und einer bewaffneten Volksmachtgebildet. Bald nachher wußten Stein und seine Freunde den KönigFriedrich Wilhelm zu jenen Manifesten und Verordnungen zubewegen, vermöge deren das ganze preußische Volk unter die Waffengerufen ward, um im Bunde mit Rußland den nachdrücklichstenKampf gegen den National-Feind zu beginnen. Die begeistertenAufrufe der preußischen Patrioten und ihres Königs wirkten, weilsie aus dem Herzen kamen, ganz anders auf das Volk, als diesophistischen Reden und gedrechselten Manifeste, welche die Schlegelund Gentz 1809 erlassen hatten. Ein reger patriotischer Sinn er-wachte in ganz Norddeutschland, und alle Gemüther wurden voneiner nationalen Begeisterung ergriffen, wie sie die deutsche Geschichtenoch nie gekannt hatte. Es war damals in Deutschland ebenso, wie1793 in Frankreich, sogar gefährlich, den herrschenden Enthusiasmusnicht zu theilen. Die Schriftsteller jeder Art, selbst die nur auf Er-werb bedachten Bücher-Fabrikanten, verbreiteten patriotischen Sinn,und entflammten die Gemüther der Jugend. Die Begeisterung wardso allgemein, daß ihre Wirkung zum Ärger der Aristokraten nochjetzt fortdauert, und daß Napoleon, wenn es ihm gelungen wäre,Deutschland wieder zu unterwerfen, dort dasselbe erfahren habenwürde, was die drei östlichen Mächte noch immer in Polen empfin-den. Alle Parteien waren auf kurze Zeit einig, alle Kräfte wurdenauf einen Punkt gerichtet, alle Stände griffen zu den Waffen. So-gar Schriftsteller, Professoren, Beamte, Geistliche, Studenten undGymnasiasten ließen sich in die Frei-Corps oder in das stehendeHeer einreihen, um am National-Kampfe Theil zu nehmen. Werdie Waffen nicht tragen konnte, der steuerte Geld zur Ausrüstung derAnderen bei; und auch das weibliche Geschlecht war bemüht, den