Frankreich. Napoleon im Jahre 1815. 4ZF
thumes wurde am 1. Juni die Versammlung des Maifeldes ge-halten. In der Anrede, welche Napoleon bei der Eröffnung dieserVersammlung hielt, scheute er sich nicht wieder von seinem Volke(man peuple), von seiner Stadt Paris zu reden. Auch trug erbei dieser Gelegenheit, obgleich er damals den Liberalen spielte, nichtdie Uniform, sondern den altfränkischen Kaiser-Ornat; und seinBruder Lucian, welcher im April nach Frankreich zurückgekehrtwar, figurirte zum ersten und einzigen Male als kaiserlicher Prinz.Die Versammlung wurde mit großem Gepränge auf dem Mars-Felde gehalten, welches, wie der officielle Bericht im Moniteur sichausdrückt, theatralisch ausgeschmückt worden war. Die französi-schen Schriftsteller haben nicht versäumt, das Fest ausführlich undmit pomphaften Worten zu beschreiben; wir thun dies nicht einmalmit wenigen Worten, da alle solche Volksfeste nur eine augenblick-liche Wirkung haben, und deshalb historisch ganz gleichgültig sind.Es würde übrigens im Interesse der Nationalität besser gewesen sein,wenn man, anstatt mitten unter drohenden Gefahren der allerbedenk-lichsten Art die künftige Negierungsform festzustellen, den Kaiser alsDictator hätte schalten lassen; denn nur auf diese Weise hätten dieachtmalhunderttausend Mann, welche das Ausland unter die Waffengerufen hatte, vom Lande abgewehrt werden können. Als konstitu-tioneller Kaiser war Napoleon um so weniger im Stande, Frank-reich zu retten, da ihm bei dem Mistrauen der höheren Klassendie Hände so sehr gebunden waren, daß er sogar Leute, wie Ben-jamin Constant, welcher kurz zuvor schrecklich über ihn geschimpftund den Bourbons ewige Treue gelobt hatte, in seinen Staatsrathhatte aufnehmen müssen. Was sollte der Mann der That mit libe-ralen Schwätzern anfangen? Was konnte es ihm aber andererseitsauch helfen, daß die Ohnehosen der alten Zeit, an die er sich beider Unzufriedenheit der anderen Klassen wenden mußte, ihm Ver-trauen schenkten und ihn zu ihrem Helden machen wollten!
Jene Unzufriedenheit machte sich in den beiden Kammern, welcheam 3. Juni zusammentraten, von Anfang an in einem solchen Gradegeltend, daß dadurch des Kaisers Wille gebrochen, die energische An-strengung der Nation unmöglich gemacht, und die Rettung des Vater-landes blos der Armee anheimgegeben wurde, welche für eine solcheAufgabe viel zu schwach war. Bei der Präsidenten-Wahl schlug die
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