Französische Literatur. M. I. Chenier.
von allen Gesängen der revolutionären Zeit politisch und militärischam stärksten und am längsten auf den Geist des Volkes eingewirkt.Der zweite dieser republikanischen Sänger war Lebrün, von dessenrevolutionären Gedichten besonders die Ode an den Rächer (suvenAtmr) während der Schreckenszeit Einfluß übte. Seinen Poeti-schen Charakter und seine Manier bezeichnet schon der Umstand, daßer ursprünglich von Voltaire dem Publikum empfohlen worden war,sowie daß er seine dichterische Laufbahn mit einer Ode auf das Erd-beben von Lissabon eröffnete. Chenier war neben Lebrün der Haupt-dichter für die republikanischen Feste, und hat namentlich die beimFest des höchsten Wesens gesungene Hymne an die Gottheit gedich-tet. Am meisten Eindruck mächte jedoch sein Olmnt cku ckvyart;man schrieb der Begeisterung, welche dieses Lied in den Soldatenerweckt hatte, sogar Jourdan's Sieg bei Fleurüs zu, obgleich der-selbe nur der Ungeschicklichkeit des östreichischen Heerführers zu ver-danken war (s. Th. XVII., S. 366>
Als die Republik der Bonapartischen Alleinherrschaft Platz ge-macht hatte, entzog sich auch Chenier dem Strome der Revolution,die er früher so oft verherrlicht hatte, und suchte sein Glück dadurchzu machen, daß er als Vorbereitung für Bonaparte's Kaiserkrönungdie Krönung des Cyrus auf die Bühne brachte. Er hatte jedochmit diesem Stücke nicht dasselbe Glück, wie mit Karl IX.; im Ge-gentheil, die angebrachten Schmeicheleien misfielen den Parisern, unddie dem Stücke einverleibten Lehren für Monarchen erbitterten denersten Consul und seine Creaturen. Der Ärger darüber bewog denDichter, sich aufs neue zum Organ der im Stillen sich bildendenöffentlichen Meinung zu machen. Er schrieb in dieser Absicht seineEpistel an Voltaire, und machte durch dieselbe einen solchen Eindruck,daß Napoleon in seinem Zorne ihn 1802 vom Tribunal ausschloß.Um übrigens den Charakter des Dichters der Jakobiner noch an-schaulicher zu machen, theilen wir in kurzen Worten das Urtheil derbeiden ausgezeichnetsten Schriftstellerinnen der Revolution mit, welcheBeide persönlich mit ihm bekannt wären. Dies wird zugleich diebeste Einleitung zur Erkenntniß dessen sein, worin das Wesen unddie Richtung beider Frauen, sowie das Verhältniß derselben zu ihrerZeit und ihrem Volke bestand. Die Frau Roland, welche zwar fürein Ideal oder Traumbild der Freiheit schwärmte, aber stets nur an