Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Geschichte der neueren Zeit.

ihr Vater wegen der Herausgabe seines Oompte-rencku heftig an-gegriffen wurde (s. Th. XVII., S. 131), eine Lobrede auf ihndrucken, und erregte durch diese Schrift großes Aufsehen. Zur Zeitdes Direktoriums übte sie einen politischen Einfluß durch ihren Sa-lon aus, in welchem sie die eleganten Männer der konstitutionellenund doctrinären Partei um sich sammelte (s. Th. XVII., S. 369und 422 s.). Dies that sie auch zur Zeit des Consulats, bis Bo-naparte sie in die Verbannung schickte, weil sie ihm durch ihr con-versationelles Talent die Leute irre machte, von denen er unbeding-ten Gehorsam verlangte (s. oben S. 24). Nachher conspirirte sievon den verschiedensten Städten des Auslandes her gegen den Kaiserder Franzosen. Sie erregte dadurch den Ärger desselben in um sohöherem Grade, da sie überall als Schriftstellerin und als geistreicheSalon-Dame bewundert ward und, so unnatürlich auch ein solcherBund war, die Constitutionellen und Royalisten, die Belletristen undDiplomaten, die Bürgerlichen und die Männer der Ritterschaft miteinander für einen Zweck vereinigte.

Von den Schriften der Frau von Staöl führen wir nur zweibesonders an, die Corinna und das Buch über Deutschland, nichtweil dieselben die berühmtesten ihrer Werke sind, sondern weil siemit der deutschen Literatur in Beziehung stehen. Die Corinna,welche 1807 erschien, ist im Geiste der damals in Deutschland zurHerrschaft gelangten neuen Schule geschrieben, deren Häupter dirFrau von Stael vorher in Weimar und Berlin persönlich kennengelernt hatte. Die Ideen und Ansichten der deutschen Romantikersind hier in dithyrambischer Prosa auf französische Weise vorgetragen.Das Buch erinnert am meisten an Göthe's Wilhelm Meister undan seine Wahlverwandtschaften. Wie in diesen von den höherenKreisen vorzugsweise gelesenen Schriften unseres aristokratischenDichters, so wird auch in der Corinna die Sinnlichkeit der Liebegepredigt und verherrlicht. Dies geschieht jedoch in der Corinnawie bei Göthe nicht in der rücksichtslos nackten Weise der Schlegel-schen Lucinde oder der Romane der Frau George Sand, sondernhinter einem halbdurchsichtigen Schleier, weil das Publikum, fürwelches Göthe und die Stab'l schrieben, zwar nicht die Sittlichkeit,wohl aber den Schein derselben liebt und wahrt. Außer dieser ge-nialen Leichtfertigkeit hat die Corinna mit Wilhelm Meister auch