1014
Kraft,
noch lange Zeit Anhänger finden, welche meistens ihre Leicht-gläubigkeit theuer bezahlen müssen. Zugleich aber sind haupt-sächlich zwei Fälle bekannt, in denen der Glaube an ihre Wir-kungen, verbunden mit dem an die geheimnifsvollen Schwin-gungen kurzer Pendel und die eigenthümliche Kraft des Metall-und Wasserfiihlens bei gewissen Individuen, unter allen StändenVerehrer und Bewunderer fand, und wobei zugleich die höherenClassen, insbesondere aber die Gelehrten, grofsentheils sichweit leichtgläubiger bewiesen, als die niederen Volksclassenjemals gethan haben, unter denen in der Regel nur einzelne In-dividuen, und diese nur insgeheim, so lange ihr Interesse sietrieb und niemand sie auf die Möglichkeit des Betrugs aufmerk-sam machte, auf die Kraft der Wünschelruthe Vertrauen setz-ten ; am allerauffallendsten aber ist, dafs beide Begebenheitenin ihrem Entstehen und Verlaufe die gröfste Aehnlichkeit, jafast völlige Gleichartigkeit hatten.
Sowohl Kircher als auch Caspar Schott bezweifeltendie Wirkung der Wünschelruthe und auch des Ringes, welcheran einem Faden in ein Glas herabhängend durch seine eigen-thümlichen Schwingungen und das Anschlägen an die Wändedes Glases gewisse Anzeigen geben, namentlich die Tageszeitenbestimmen sollte, und bei dem hohen Ansehen, worin dieseGelehrte zu ihrer Zeit standen, konnten diese Gaukeleien nichtwohl anders als nur einzelne sich selbst verbergende Anhängerfinden. Allein um 1690 fing der bekannte Ayjiak an, allgemei-nes Aufsehen zu erregen. Zuerst zeigte er blofs die Wirkungender Wünschelruthe und die magischen Schwingungen desRingesam Faden , bald aber brachte ihn die Leichtgläubigkeit seinerBewunderer dahin , dafs er Wasser , Metalle und sonstige Fos-silien in seiner Nähe durch ein eigenthümliches Gefühl wahrzu-nehmen vorgab , endlich aber wollte er sogar die Spur entlau-fener Mörder auflinden, ging dieser nach und wufste die Behör-den , welche ihm hierbei Vorschub leisteten, so zu täuschen,dafs des Nichtgelingens ungeachtet sein Ansehen noch vergröfsertwurde. Grofses Aufsehen machte er überall in Paris , bis er durchdie Mitwirkung des aufgeklärten Prinzen Conde entlarvt wurde,
in dessen Zimmern er einzelne Nägel und Stücke von Tressen
o
entdeckte, wovon er glaubte, dafs man sie absichtlich verborgenhabe, von grol’sen vorhandenen Metallmassen aber nichts ein-pfand, deren Anwesenheit er nicht ahndete. Er selbst gestand