Undulationslheorie. 355
Vibrationen, die sich als erläuterndes Bild noch zu weitererVergleichung eignen. Nach Fuesxel’s Vorstellung gehen impolarisirten Strahle diese Quervibrationen alle nach einerlei Rich-tung vor, im unpolarisirten Strahle findet von einem Augen-blicke zum andern ein Wechsel dieser Richtung statt. Das Seilwürde uns also ein Bild der polarisirten Strahlen geben, wennwir mit immer gleicher Erschütterung der Theilchen sie unauf-hörlich nöthigten , in einer und derselben Ebene ihre Vibrationenzu vollbringen ; so bald wir aber von Augenblick zu Augenblickdie Richtung der Vibrationen änderten, so dafs sie jetzt hori-zontal, nun alle verschiedenen Neigungen in regelmäfsiger Folgedurchlaufend, ihre Bahnen vollendeten, so hätten wir die demunpolarisirten Strahle ähnlichen Vibrationen. Der unpolarisirteStrahl kann also angesehen werden als in einem gegebenenAugenblicke in der Richtung der einen Ebene polarisirt, aberso schnell im nächsten Augenblicke zu einer neuen und wiederzu einer neuen rolarisations - Ebene übergehend, sie alle inschneller und unaufhörlicher Folge durchlaufend, dafs keine Po-larisation mehr wahrgenommen werden kann , selbst wenn auchnur von einem einzigen Puncte Licht ausginge.
Die Polarisirung besteht also nicht darin, dafs diese Trans-versalvibrationen erst hervorgebracht werden, sondern in einerZerlegung dieser Oscillationen nach zwei aufeinander senkrech-ten Richtungen , so dafs nach dieser Zerlegung die oscillatori-schen Bewegungen im polarisirten Strahle nur nach einer Rich-tung vollendet werden. Dafs diese Voraussetzung eine Erklä-rung dafür giebt, warum Strahlen, in Ebenen auf einandersenkrecht polarisirt, keine Interferenzen geben, ist einleuchtend.
In den früheren Betrachtungen stellten wir uns vor, demverdichteten Theile der Welle folge ein verdünnter Theil, undwenn zwei sich unter einem sehr geringen Winkel durchschnei-dende oder beinahe in gleicher Richtung zusammentreffendeLichtstrahlen mit ihren ungleichen Wellentheilen, Verdichtungdes einen mit Verdünnung des andern, zusammenträfen, so fändeeine die Wirkung zerstörende Interferenz statt. Eben das kön-nen wir noch auf gleich polarisirte Strahlen anwenden ; dennwas wir hier allenfalls eine Ausweichung Techts und links, im-mer in derselben Ebene, nennen könnten, das sind dieselbenentgegengesetzten Zustände, und wenn in einem zweiten Strahlegleiche Ausweichungen mit denen des ersten zusammenkom-
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