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Briefe an Freunde II : ; Briefe an Freunde III. ; Briefe an Freunde IV / Johannes von Müller ; herausgegeben von Johann Georg Müller
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Johannes von Müller Briefe.

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Vubttcum und Nachwelt übernimmt, fast immerbloß Nebenbeschäftigung in erstvhlnen Stunden;die Hauptsache hingegen das, was am vergänglich-sten ist und jeder kann Cvilegien lesen, Biblio-theken längsten u. dgl. Wir beneiden zuweilen dengrößern Glanz der ausländischen Literatur, thunaber nichts von dem, wodurch sie ihn erworben hat.Unsere Fürsten und Minister vergessen, daß unterallem, was Ludwig XIV und sein Colbert gethan,für ihren Ruhm und den wirklichen Vortheil derRation nkchts so geioirkt, als daß sie Männern vonTalenten die Muße verschafft, die ersten Schrift-steller ihres Jahrhunderts zu werden. Es mag un-bescheiden lauten, aber ich fühle aufs lebhafteste,baß ich selbst, wenn ich 12 bis 15 Jahre nichts zuthun hätte, aus der großen Menge noch un-verarbeiteter Materialien und vielenQuellen, die ehemals unzugänglich wa-ren, für die deutsche Nation eine Geschichte schrei-ben wollte, vor der die irrigen VorstellungenSchmidts bald verschwinden würden, die von derbesten und selbst politisch interessantestenWirkung seyn sollte, die man allen Ausländernentgegenhalten dürfte, und von der die Nachweltsagen könnte,dieß Werk sind wir den Fürstender damaligen Union, sind wir Friedrich Wilhel-men schuldig." Aber so etwas läßt sich gar nichthoffen; Fürsten und Minister scheinen für solcheDinge gleichgültig. Die einen sehen bloß auf Sol-daten und Geld, wie die alten Barbaren, von ba-uen der politische Zustand der Menschheit in verstlnc-deneu Zeiten erschüttert worden, und welche nunrühmlos unter den Trümmern ihrer uninteressantenThrone liegen; andere denken wohl besser, aber hier-auf nicht, weil die, von welchen sie umgeben sind,für edle und große Sachen keinen Sinn haben.

3. v. Müllers säninttk. Werke. XXXVIII. L