Geschichte der Dynamik. 15'J3
bildung der Lehre von der Bewegung der Flüssigkeiten oderder Hydrodynamik hinzu.
In der Hydrostatik oder in der Lehre vom Gleichgewichteder Flüssigkeiten hat man sich gröfstentheils nur auf die Lei-tung der Gewässer zum Betriebe verschiedener Maschinen oderzu andern Zwecken des bürgerlichen Lebens beschränkt, undes scheint, dafs die Alten in dieser Kunst wenigstens ebenso-weit gekommen sind , als ihre heutigen Nachfolger. Auf je-den Fall sind die Nachrichten, welche sich von ihren hydrau-lischen Vorrichtungen in den Schriften der Alten erhalten ha-ben, und von welchen wir noch mehrere Denkmäler sehn,der Art, dafs sie unsere Bewunderung im hohen Grade ver-dienen. Nicht so ist es mit der Hydrodynamik, deren ei-gentlicher Lfrsprung erst in das letztverflossene achtzehnte Jahr-hundert fällt. Auchimedes, vielleicht das gröfste mathemati-sche Talent des Alterthums, wufste nichts davon, so wenig,als Galilei, obschon er durch seine lange fortgesetzten Un-tersuchungen über Mechanik oft auf diesen Gegenstand ge-führt werden mufste, und obschon er volle neunzehn Jahrhun-derte nach dem Archimedes lebte.
Newton, der 85 Jahre nach Galilei starb, versuchtees, die Bewegung der Flüssigkeiten durch die Lehren der Dy-namik fester Körper zu berechnen , aber er beging dabei meh-rere Fehler, und die Resultate seiner Berechnung stimmten mitdenen der Beobachtungen nicht überein.
Torricelli, der beste Schüler Galilei’s , hatte zuerst dieBewegung des Wassers untersucht, welches durch eine kleineOelTnung des Bodens des Gefäfses, in dem es enthalten ist,ausfliefst. Er fand, dafs die Geschwindigkeit des verticalenWasserstrahls sich verhält, wie die Quadratwurzel der Höhedes Niveau’s des Wassers über der Oeffntmg des Bodens. Daer aber dieses Verhältnifs nicht beweisen konnte, so gab eres einstweilen als einen Erfahrungssatz, und theilte es in sei-nem Werke: De motu naturaliter accelerato im J. 1643 mit.Newton suchte diesen Satz in seinen „Principien," die im J.1687 erschienen, zu beweisen, aber nicht mit Glück, wiedenn überhaupt die Untersuchungen über die Bewegungen derFlüssigkeiten, die am wenigsten genügenden jenes berühmtenWerkes sind. Er fand, dafs die Geschwindigkeit des durchdie Oeffnuns? sehenden Wasserstrahls sich nur wie die halbe
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