Temperatur. 1637
Strömungen wird die Wärme sehr ungleich vertheilt, indemoft Wassermassen von bedeutend verschiedenen Temperaturennahe an einander grenzen und aus andern Gegenden herbei-geführt werden. Ueberhaupt hängt die Wärme des Meeresunter den verschiedenen Breiten in ungleichen Tiefen und inden verschiedenen Tags- und Jahreszeiten von so vielfachenUrsachen ab, die sich einander gegenseitig bedingen, dafs esnicht selten sehr schwierig ist, die sich schsinbar widersprs-rebenden Resultate der Beobachtungen zu vereinigen. Haupt-sächlich sind zu berücksichtigen zuerst die Durchsichtigkeitdes Seewassers, in deren folge ein grofser Theil der Sonnen-strahlen tiefer eppd ringt, und daher zieht io gleicher StärkeWärme erzeugt, als dieses auf dem Festlande geschieht. Aufder andern Seite ist d« Wasser eiq schlechter Wärmeleiter;ungleich warme Massen können daher eine geraume Zeit ne-ben einander bestehn, ohne dafs sich ihre Temperaturen aus-gleichen , und die hieraus entstehende Ungleichheit würde nochviel gröfser seyn, wenn nicht vermöge der Flüssigkeit undsteten Bewegung die Theile unausgesetzt durcheinander ge-mengt würden. Dieser Einflufs wird dadurch bedeutend erhöht,dafs das kältere und dadurch specifisch schwerere Wasser nachstatischen Gesetzen herabsinkt, dagegen das örtlich erwärmteemporsteigt. Endlich äufsern nicht sowohl die in Folge derWinde und Wellen entstehenden Bewegungen, als vielmehrdie Strömungen den bedeutendsten Einflufs, in deren Folgegrofse Wassermassen in der Tiefe von den Polargegenden deraquatorischen Zone zufliefsen, während andere aus niederenBreiten den höhern zugeführt werden, die zahlreichen Mperes-ströme nicht gerechnet.
32) Wenn wir mit Rücksicht auf diese allgemeinen Be-dingungen die Angaben der verschiedenen Beobachter prüfen,so ergiebt sich im Ganzen, dafs die Oberfläche des Meeresam Tage etwas wärmer ist, als in der Nacht. Allerdingsscheipt aus den Beobachtungen von Bayly, Förster, King,Perrins , Irving und selbst v. Humboldt hervorzugehn, dafsdie Oberfläche des Meeres stets etwas kälter sey, als die be-grenzende Luft, allein Parrot 1 bemerkt, dafs alle diese See-fahrer in der Regel hlofs am Tage beobachteten. Dagegen
1 Grundrifi der theor. Physik. Th. III. S. 360.