1898
Meteorologie.
stellt wurden, nicht alle Beobachter die nämlichen Periodeninnehielten und auch der gewissenhafteste zufällige Abhal-tungen nicht vermeiden kann, ja da sogar Beobachtungs- undRechnungsfehler eben wegen der Leichtigkeit der Aufgabe ein-schleichen können, so mute man die genaue Uebereinstim-mung der beobachteten und der berechneten Werthe wahrhaftüberraschend finden, und es geht auf jeden Fall hieraus her-vor, dafs das Gesetz der mit zunehmenden Breiten abneh-menden Gröfse dieser barometrischen Oscillation füglich durchdie angegebene einfache Formel ausgedrückt Werden könne.Wollte jemand die vorzüglichem Beobachtungen nach ihremGewichte ordnen und dann aus ihnen die Constanten der For-mel bestimmen, so liefse sich auf diesem Wege zu einemgenauem Ausdrucke gelangen, allein es scheint mir diesesnicht einmal des erforderlichen Aufwandes Von Zeit und Mühewerth zu seyn, da ich glaube, dafs genügende Th^tsachenzur Begründung einer Erklärung dieses Phänomens vorhan-den sind.
40) Die Ursache dieser regelmäfsigen Schwankungen desBarometers suchte man zuerst in einer wechselnden Ebbe undFluth der Atmosphäre, derjenigen ähnlich, welche beim Was-ser wahrgenommen wird; allein der gänzliche Mangel des Zu-sammenfallens derselben mit der täglichen Culinination des Mon-des zwingt sofort hiervon zu abstrahiren. Desto auffallenderist der Zusammenhang dieser Oscillation mit dem täglichenLaufe der Sonne, und da man nicht füglich auf eine Anzie-hung dieses Weltkörpers gegen die Atmosphäre, als Ursachedes Phänomens, schliefsen kann, weil sonst der Mond einenoch stärkere Wirkung hervorbringen müfste, so war es na-türlich, zur Erwärmung durch dieselbe seine Zuflucht zu neh-men. Schon Bouguer 1 äufserte diese Hypothese; La Placefand sie wahrscheinlich 2 , ohne sie jedoch deutlich zu ent-wickeln, weil ihm das Problem für die Analyse zu schwerschien 3 ; am ausführlichsten hat Ramond 4 dieselbe behandelt,
1 Monatl. Corresp. Th. XXI. S. 218.
2 Bocvakd in Bibi. uniy. T. XL1. p. 284. Atin. Ch. Ph, XXIV.
p. 280.
3 Vergl. E. Schmidt math. u. phys. Geographie. Th. IT. S. 323.
4 Milm. de l'lnst. 1803. p. 108. Vergl. G. G. Schmidt Iluud- u.Lehrbuch d. Naturlehre. Gieis. 1826. S. 180.