1984
Meteorologie.
des Sachverhaltens nicht iibersehn werden, dafs August so-wohl, als die Gelehrten, welche nach ihm dieses Problembehandelt haben, annehmen, die befeuchtete Kugel des Ther-mometers werde von einer Luftschicht umgeben, worin sichsowohl der bereits vorhandene Wasserdampf der Atmosphäre,als auch der von der benetzten Kugel nett gebildete befinde.Inzwischen hann man sich durch leicht anzustellende Versu-che bald überzeugen, dafs dieses nur dann der Fall ist, wennsich das Psychrometer in völlig ruhiger Luft, z. B. in einemZimmer befindet, wo dann die Temperatur des benetzten Ther-mometers nicht tief genug herabgeht. Wird der Apparat dannaber bewegt , herrscht Zugluft oder ist die benetzte Kugeldem Winde, welcher als schwache Luftströmung wohl nie-mals und im Freien nirgends fehlt, ausgesetzt, dann wird derstets neu gebildete Dampf augenblicklich fortgeführt und esentsteht neuer, zu dessen Bildung die Thermometerkugel dieWärme hergiebt, weswegen das in ihr enthaltene Quecksilber solange sinkt, bis die Luft keinen Wasserdampf mehr aufnehmenkann, weil sie, bis zur Temperatur des befeuchteten Ther-mometers erkaltet, den Sättigungspunct erreichen würde. Hier-auf stützt sich die oben bereits erwähnte Ansicht, dafs dasbefeuchtete Thermometer den Sättigungspunct der Atmosphäremit Wasserdampf, unmittelbar angebe. Es Iäfst «ich hiergegendas allerdings gewichtige Argument anführen, dafs die stets neuherzuströmende Luft dem benetzten Thermometer Wärme zu-führe und es über die Temperatur des Sättigungspunctes er-hebe, was auch bei der Entwickelung der Correctionsformelberücksichtigt wird ; allein bei der grofsen latenten Wärme desWasserdampfes läfst sich annehmen, dafs der im Verhältnifshierzu geringe Antheil, welchen die herbeiströmende Luft ab-geben kann, zur stets fortdauernden Bildung von neuem Dam-pfe sofort absorbirt werde , ohne die Thermometerkugel erwär-men zu können. Wie aber künftige Versuche über diese ver-schiedenen Ansichten entscheiden mögen, so bedarf man, nachden jetzt herrschenden Ansichten , beim Gebrauche des Psy-chrometers allezeit einer Reduction, um die erhaltenen Re-sultate auf diejenigen zurückzufiihren, welche das Daniell’scheHygrometer gleichzeitig gegeben haben würde. Auch Kautz*
1 Meteorologie. Th. I. S. 320.