Band 
Siebenter Band. N - R.
Seite
945
JPEG-Download
 

Geschichte.

945

stimmte Dehauptungen statt des strengen Beweises angeführt;die affectio lucis werde durch die Refractionswinkel bestimmt,ungleiche Winkel geben daher ungleiche Farben, denn wenneinerlei Farbe aus ungleicher Refraction hervorginge, so wäresie mehr oder minder vollkommen. Im 19. und 20. Theoremwird gesagt, eine hinzukommende Reflexion und Refractionandere die Art der Farbe nicht, aber im 28- Theor. wird den-noch demonstrirt, die Entstehung der Farben werde in der er-sten Refraction nicht vollendet. Dieses letztere wird sehr un-richtig dadurch bewiesen, dafs im vierseitigen Prisma derdurch die zweite, mit der Eintrittsfläche parallele Seitenflächehervorgehende Strahl ungefärbt erscheint. Er giebt hiefiir zwarden nicht unpassenden Grund an, die zweite Refraction ver-dünne den durch die erstere verdichteten Strahl, aber den-noch sieht er den Schlufs als gewifs an, dafs die Entstehungder Farbe erst bei der zweiten (unter gehörigem Winkel gesche-henden) Brechung vollständig werde, ln dem folgenden Theo-rem sagt er, auch die zweite Brechung für sich allein .vollendenicht die Farben - Erzeugung. Er bezieht sich da auf ein Ex-periment, das er schwerlich so kann angestellt haben, indemsich da Farben hätten zeigen müssen. Wenn das Prisma durcheine gegen die eine Seitenfläche Senkrechte durchschnitten wer-de, so müfste, (wenn die erste Refraction unnöthig wäre,) dernun senkrecht durch die erste Oberfläche eindrinsende Strahleben die Farben beim Hervordringen geben, das sey aber ge-gen die Erfahrung; „si quidem nullos omnino colores tum ob-servamus.“ Also ein Prisma, dessen Winkel = 90°, 60°, 30°sind, soll, wenn der Lichtstrahl die eine Seite senkrecht, diezweite Seite unter 30° Einfallswinkel trifft, keine Farben ge-ben;— man kann kaum glauben, dafs das ein wirklich ange-stellter Versuch sey.

Wie Marci sich eigentlich die Entstehung der Farben ge-dacht habe, geht aus seinen vielen und sorgfältigen Rechnun-gen, bei denen er die jedem Einfallswinkel entsprechende Bre-chung als bekannt voraussetzt *, nicht ganz deutlich hervor,er scheint aber in dem ungleichen Winkel, den die von ei-

1 In seiner Tafel ist das Brecliungsverbältnifs ungefähr bei demEinfallswinkel zz 10°, = 1,32, bei 30°, = 1,30, bei 50°, = 1,25, bei70°, = 1,17.