Ursprung derselben. 1025
in den Flüssen gesammelt und auf diese Weise zur Erneue-rung des Kreislaufs wieder znrückgeführt.
Beide erwähnte Hypothesen stammten aus einer Zeit, inwelcher man noch nicht zu experimentiren und selbst die an-genommenen Gröfsen nicht einmal schärfer zu bestimmenpflegte, so dafs die Wahrheit nur durch den das Ganzescharfsinnig aufFassenden Verstand gefunden werden konnte;dagegen ist »s eine fruchtbare Eigenthündichkeit der neuernPhysik, alle verwandte Erscheinungen bei der Erklärung eineseinzelnen Phänomens zusammenzunehmen und die dabei vor-kommenden GröTsen nicht im Allgemeinen, sondern scharf odermindestens genähert zu bestimmen. So verfuhr der scharfsin-nige Mahiotte 1 bei seiner noch bis auf den heutigen Taggangbaren Theorie über den Ursprung der Quellen. Hiernachentstehn dieselben durch das Wasser der atmosphärischen Nie-derschläge, welches in die feinen Canäle eindringend sich inden gegrabenen Brunnen sammelt. Fällt jenes Wasser auf Hü-gel oder Berge, so dringt es in die Oberfläche ein, insbeson-dere wenn diese zwischen Gerölle und Baumwurzeln eineMen^e feiner Risse enthält, bis es auf festes Gestein kommt,darin nicht eindringen kann und sich daher seitwärts einenWeg bahnt. Dafs das atmosphärische Wasser zur Speisungder Quellen völlig ausreiche, ergiebt sich aus einer leicht an-znstellenden Berechnung, aufserdem aber bemerkt man stets,dafs die Quellen bei regnerischem Wetter zunehmen, nach an-haltender Dürre aber ganz oder zum Theil versiegen. SelbstFlüsse verlieren zuweilen jf ihres Wassergehalts, und wenngewisse Quellen dieser Veränderung weniger unterworfen sind,so liegt dieses daran , dafs sie sich grofse Behälter ausge-höhlt haben, aus denen nur ein spärlicher Theil anhaltendausiliefst.
Mahiotte konnte bei der Gründung seiner Theorie un-möglich schon alle später aufgefundene Thatsachen kennen,diese also nicht in Anwendung bringen und dadurch das Ganzevervollständigen; indefs erfordert die Achtung gegen seinenScharfsinn, auch das Uebrige kurz zu erwähnen, was er zur
1 Traite du mouvement de» eaux et des autres corps fluides.Oeuvres de Mariotte. Leide 1717.4. T. II. p. 326. speciell von p. 333bis 340.