Staaten Europas fester zu gestalten, so hatte er doch auch auf deranderen Seite eine entgegengesetzte Wirkung, indem er jene frühe-ren römischen Universalplane des Mittelalters, und zunächst diechristlich römischen, aufs neue erweckte. So war noch bei jederGefahr, die die Christenheit allgemein bedroht hatte, die Sacheder römischen Hierarchie gefördert worden. Wie zur Zeit derersten Ausbreitung des Islam der Grund zu dem Pabstthum ge-legt worden und während der Krcuzznge seine kirchliche und welt-liche Macht aufs Höchste gestiegen war, so steigerte sich nach dentürkischen Erfolgen in Europa noch einmal mit seinen Gebicts-erwerbungen auch sein allgemeines Ansetzn nach außen. Zwarhatte Rom im Laufe der Zeiten au einzelne Staaten viele Zuge-ständnisse machen müssen, die seinen früheren Uebergriffen wehr-ten, aber dafür hatte es in Anderen neuen Boden gewonnen. InDeutschland war jetzt der Friede mit dem Kaiserthume hergestellt,und das Pabstthum hatte die Bedingungen geschrieben. Pius II.hatte dem Kaiser ein gemeinsames Interesse vorzuspiegeln gewußt,mit dem Pabste den deutschen Landesfürsten, und ihrem Berlangennach kirchlichen und staatlichen Verbesserungen, entgegenzustehenund den Bund zwischen Kaiser- und Pabstthum zum leitenden Ge-sichtspunkt der kaiserlichen Staatskuust zu machen; seit dieser Zeitwuchs der päbstliche Einfluß im Reiche ins Unerträgliche. Aufden Reichstagen theilte der Kaiser sein Ansehen mit den römischenLegaten; des Pabstcs Einkünfte in Deutschland schätzte Maximi-lian selbst auf das Hundertfache seiner eignen Bezüge; keinZweig der Reichsverwaltung war vor den Eingriffen der Kirchesicher; der Druck der päbstlichcn Gerichte und Auflagen war un-duldbar geworden; die Ausdehnung der geistlichen Güter, der un-veräußerlichen, war inS Ungeheuere gestiegen. Wenn dies Ver-hältniß zum deutschen Reiche dem Pabstthum neue Macht gab, sowirkte dazu noch mehr das andere, das sich mit dem rasch anwach-
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Buch
Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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30
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