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Diese Reformen hatten jetzt, was ihnen früher mangelte, den dop-pelten Nachdruck derRevolutionsercignifse und der Macht des Kai-sers hinter sich. Sie brachen daher, auch in den katholisch-roma-nischen Landen, den Widerstand der Stände und des Volks undbewirkten in wenigen Jahren in allen Theilen der Welt Verände-rungen, die ohne diese gewaltigen Anstöße noch Jahrhunderte vonVorbereitungen gekostet hätten. Das alte Spanien ward unter die-sen Einflüssen jung und es wickelte sich hier im Laufe der Jahre auseiner Last von Schwierigkeiten eine neue Ordnung mühsam los,die das Land nicht mehr aus blos eigener Kraft geschaffen hätte.Der 300jährige Schlaf Italiens, seine religiösen Vorurtheile, seinepolitische Unerfahrenheit wurden erschüttert und unterbrochen undder größere Gesichtskreis nationaler Einheit eröffnet, dem der päbst-liche Einfluß immer entgegengewirkt hatte, der seitdem langsamdem päbstlichen Einflüsse entgegenwirkt. Die Einziehung von einigenhundert deutschenStäätchen zerstörte hier die lehcnstaatlicheZusam-mensetzung des Reichs mit Einem Schlage. Diese nothwendigeGewaltthat, die jetzt auf fremde Rechnung geschrieben wird und zuder sich die Deutschen aus sich selber nur schwer entschlossen hätten,gab die erste Aussicht auf eine größere staatliche Einheit Deutsch-lands ; und die vergrößertenKleinstaatenNapoleonischer Schöpfungsind seitdem dcr Heerd geworden, auf dem das Feuer der politischenBewegung für das ganze Land unterhalten wurde. Preußen wardseit Steins Verwaltung in den Kreis der Staaten gerissen, die vonoben herab durchgreifend reformirten nach Grundsätzen, die dieGesetzgebung ausdrücklich dem Beispiele der französischen Revolu-tion entlehnt zu haben bekannte. Einigen der abhängigen Lande,dem Königreich Italien, Neapel, Wcstphalen, Spanien gab Na-poleon Verfassungen. Es waren nur Scheinverfassungen, aber siegewöhnten doch an einen Grad verfassungsmäßiger Freiheit undwurden für Einzelne eine politische Schule. In diesem Punkte