meinen Umlaufe entzogen wurde, um die Tempel damit aus.zuschmücken. Weit mehr war dies der Fall in Spanien selbst;in dem durch den Handel reichen Italien; in den Nieder-landen, wo die Manufacturen blühten und in den deutschengeistlichen Staaten, welche durch Agrikultur in Wohlstandgekommen waren. Allenthalben in diesen Ländern wurden dieVerzierungen der Gotteshäuser vermehrt; die geistlichen Klei-dungen für den Gottesdienst wurden mit Gold und Silber-stickerei bedeckt; die kirchlichen Gefäße wurden allmählig vonKupfer und Zinn in Silber umgewandelt.
Nicht minder erstreckte sich der vermehrte Gebrauch vonGold- und Silbcrgeräth auf den Haushalt der Fürsten, desreichern Adels und der wohlhabenden Bürger und Kaufleutein den freien Handelsstädten. Inzwischen ist es den übrigenUmständen jener Zeit nach nicht wahrscheinlich, daß dazumalschon eine sehr große Masse edlen Metalles im beständigenund ungestörten Besitze selbst der kirchlichen Gemeinheitenverblieben ist. Die fast unaufhörlichen Kriege Kaiser Karls V.und besonders jene in Italien gegen Frankreich hatten dieSchätze der Souveraine erschöpft und nöthigten sie, sich einesTheils des Kirchengutes zu bemächtigen und Geld zum Un-terhalte ihrer Armeen daraus prägen zu lassen.
Von dergleichen zahlreichen Plünderungen aus jener Epocheführen wir nur als ein Beispiel an, daß der König vonFrankreich das Grab des heiligen Martin seiner silbernenGitter beraubte, mit welchen die Frömmigkeit seines Vor-fahren Ludwig XI. es geschmückt hatte. Einen anderen höchstauffallenden Beleg zu dem Gesagten liefert die EinnahmeRoms von den kaiserlichen Truppen unter dem Herzoge vonBourbon im Jahre 1527. Die Geschichte meldet, daß wederdie barbarischen und heidnischen Hunnen noch die Wandalenund Gothen in früheren Jahrhunderten solche Greuel vonPlünderung und Zerstörung verübten, als diese Truppeneines katholischen Monarchen, welche Kirchen und Klösterso wenig als öffentliche Paläste und Privatwohnungen ver-schonten und eine auf eine Million Dukaten geschätzte Beutedavon trugen.