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Teutschland nach seiner natürlichen Beschaffenheit und seinen frühern und jetzigen politischen Verhältnissen / von K. E. A. v. Hoff
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IV. Historische Entwickelung rc»

der das Zusammenschmelzen derselben auf weniger als vierzig Glie-der eines Staatenbundes entsprungen, in welchen da- aufgelösteReich in den neuesten Zeiten übergegangen ist.

Da, ohne einige historische Uebersicht der früheren ZuständeDeutschland-, sein Zustand, sowohl wie er sich vor der letztenVeränderung zeigte, als auch seine neueste Gestalt kaum zu ver-stehen ist, so versuchen wir eine gedrängte Uebersicht jener älterenZustände und ihrer allmählichen Uebergänge aus einem in den an-dern und in den neuesten hier zu geben.

Zu der Zeit Julius Cäsars Nachrichten au» früherer Zeltsind sehr dunkel wohnten Teutsche Stämme unter vielen ver-schiedenen Namen, die ihnen griechische und römische Schriftsteller,wir wissen nicht mit welchem Rechte, beilegen, in den Ländernim Süden und Osten des Teutschen Meere-, im nördlichen Theilevon Belgien, den vereinigten Niederlanden, der Jütischen Halb-insel und wohl in einem Theile von Schweden; dann läng» denbeiden Ufern des Mittel- und Ober-Rhein, bl» in Helvetien aufder Nordseit« der Alpen. Den aus dem linken Ufer deS Rheinvon Teutschen bewohnten Landstrich von den Ardennen an durchOber-Belgien, Köln, Trier und Lothringen nannten die Römer(lermnina inferior, (lerinuiiiu soperior umfaßte die südlichen Mo-stlländer und das Elsaß. Rhä'ticn und Koricum (Graubünden»Tirol) wurden von den Römern nicht zu «erm-mi» gerechnet.Das übrige von Teutschen Völkern bewohnt« Land, vorn Rheineöstlich bis Harmonien und nördlich bis zum Teutschen und Balti-schen Meere, hieß Lermaoia Mugnil. Die Verbreitung TeutscherStämme noch weiter gegen Ost und Nordost läßt sich für dieseZeit weniger gut bestimmen; doch ist erlaubt anzunehmen, daßVölker Teutschen Stamme- und Teutscher Sprache damals undfrüher bis zur Weichsel verbreitet gewesen sind.

Die großen-HeereSzüge und Wanderungen der Völker vomKaukasus her durch Europa, welche schon vor der Zelt des be-rühmten Zuges der Cimbcrn und Teutonen begonnen hatten, undbis in das fünfte Jahrhundert unserer Zeitrechnung dauerten, ver-änderten während dieses langen Zeitraums die Wohnsitze der Teut-