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Die vulkanischen Erscheinungen der Erdoberfläche und die Erdbeben.
Vulkanische Ausbrüche und Erdbeben tragen nicht wenig dazu bei,die Erdoberfläche fortwährend, wenn auch nur an einzelnen Punkten zuverändern. Die Vulkane, die wir bereits auf S. 49 näher betrachteten,wurden hinsichtlich ihrer Verbreitung zuerst von L. v. Buch in ein geo-graphisches System gebracht, und nach der Natur ihrer Erscheinungen dieisolirt liegenden Feuerberge als Centralvulkane, die in einer Linie hintereinander vorkommenden, die gleich Schornsteinen auf einer Spalte stehen,als Reihenvulkane bezeichnet. Ihre Vertheilung so wie ihre Zahl ist be-reits oben angegeben, und die Namen und Lage der wichtigsten auf derKarte bemerkt. Bei Zweien, dem Consiguina in der Guatemalareihe, unddem Tumbora, auf Sumbawa , in der Sundareihe, sind zugleich die Kreisebezeichnet, innerhalb deren die Detonationen ihrer Ausbrüche gehört wur-den. Zugleich sind nicht nur bei Beiden, sondern auch bei dem Hekla ,die Punkte angegeben, bis wohin die Asche der Ausbrüche vom Windenoch in Masse getragen wurde. Bei der Explosion des Tumbora, am 11.April 1815, wurde dieselbe durch den Passat bis Bencoolen auf Sumatra geführt, eine Entfernung, die, nach L. v. Buch's Bemerkung, mit der vomAetna nach Hamburg korrespondirt. Beim Ausbruch des Consiguina, am20. Januar 1835, führte der Wind die Asche bis auf Jamaica , eine Entfer-nung, die nicht geringer ist, und beim Ausbruch des Hekla , im Jahre1845, trieb der Aschenregen bis zu den Orkneys, an der Nordküste Schott-lands . Die Höhe der auf dem Erdball verbreiteten Vulkane ist unge-mein verschieden, und während einige nur wenige hundert Fuss sich er-heben, steigen andere tausende, ja zwanzigtausend Fuss und noch höher,wie der Aconcagua in Süd- Amerika . Die meisten erheben sich allmäligund sind bis zu einer gewissen Höhe mit üppigen Waldungen bedeckt, oderwie die südeuropäischen mit Weinreben bepflanzt, erst weiter aufwärtswerden sie plötzlich steiler und zu einzelnen Kegelbergen oder Gruppenkegelförmiger Gipfel, deren zerklüftete Schlackenmassen die kessel- odertrichterförmigen Krater umgeben, deren Wände nach Innen meistens steilabfallen, bei einigen aber auch zugängig sind. Um die Krater der mei-sten herrscht schreckliche Verwüstung und aus allen Spalten und Schlün-den brechen brausend und zischend bleiche Dampfstrahlen hervor, die sichüber dem Gipfel zu einer gewaltigen Rauchsäule vereinigen. Die Kraterselbst sind im Umfange sehr verschieden; der des Pichincha in Amerika ( unter dem Aequator) hat einen Durchmesser von 5000, und eine Tiefe von1500', der des Kirauea auf Hawai ist dreiviertel Meilen gross und hattausend Fuss Tiefe. Nicht alle Vulkane sind thätig, und viele, wie na-mentlich alle in Deutschland befindlichen, sind als erloschene Vulkane zubetrachten. Ein thätiger Vulkan bietet das grossartigste Schauspiel derwildaufgeregten Naturkräfte: Aus seinem Krater lodern hundert Ellen hoheFlammen empor, und in der Tiefe wogt die weissglühende flüssige Ge-steinsmasse auf und ab, indem sie ruckweise, zischend und puffend weisseoder schwarze Dampfwolken mit glühenden Klumpen und Steinen aus-stösst, wobei jedesmal der Berg erzittert. So kündigt sich der Ausbruchan. Allmählig steigt das Gluthmeer im Schlunde des Kraters höher auf,die Rauchsäule darüber verdickt sich, steht mehrere tausend Fuss hochsenkrecht auf dem Gipfel des Berges, und breitet sich oben in dicken Wol-ken ringsum aus. Bei Nacht gleicht sie einer Feuersäule, die nach allenRichtungen von Blitzen durchzuckt wird. Unaufhörlich rollen die Donnerund stimmen mit ein in das Brüllen und Tosen des Berges. Platzregenund Wolkenbrüche giessen herab, nicht selten von faustgrossen Hagel-stücken begleitet; der Berg zittert beständig und mehr denn hundert Mei-len weit erbebt der Boden. Im Innern steigen fortwährend unter fürch-terlichem Getöse heisse Dämpfe aus der schmelzenden Gesteinsmasse her-
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Atlas, Tafel 12*).
vor, zahllose glühende Klumpen in die Feuersäule emportreibend. Wolkenvon Asche erheben sich, breiten sich vom Winde getrieben aus, bedeckendas Land mit Finsterniss, und bringen Tod und Verderben allem Leben-digen. Endlich bricht das Gluthmeer selbst hervor: als ein zäher Breigiesst sich der feurige Strom, die glühende geschmolzene Lava, vom Gi-pfel des Berges herab, oder dringt aus einer unter fürchterlichen Krachengeöffneten Spalte an der Seite des Berges. Sie erkaltet zwar alsbald ander Oberfläche, aber die nachdrängenden Massen schieben die Schlacken-schollen vor sich her, und erst wenn sie aufhören, wird der, bald schnel-ler, bald langsamer fliessende Lavastrom allmählig dichter und fester. DieHitze des herabfliessenden Lavastroms ist ungeheuer stark, und vermagEisen, Silber und selbst Feuersteine zu schmelzen. Die völlige Erkal-tung geht nur langsam vor sich am Aetna verbrannte noch elf Monatenach dem Ausflusse ein in die Spalten des Stromes gefallener Stock, unddie Lava des Jorullo in Mexiko diente noch 21 Jahre nach ihrem Aus-bruche zum Anzünden der Cigarren. So lange sich übrigens in ihr dieHitze hält, so wenig scheint sie sich ihrer Umgebung mitzutheilen; soschmolz ein Lavastrom, der im Jahre 1787 über eine dicke Schneelagefloss, dieselbe nur sehr wenig. Die ungeheuren Kräfte, die im Innernder Vulkane wirken, können nur nach den ausgestossenen Massen berech-net werden. Der Cotopaxi in Amerika schleuderte Felsstücke von 9 FussDurchmesser beinahe zwei Meilen weit, und am Aetna wurden gewaltigeSchlackenstücke 6000 Fuss hoch geworfen. Die Schlacken- und Aschen-säule des Vesuv im Oktober 1822 hatte 7000 Fuss Höhe, und im Jahre1779 wenigstens zehntausend Fuss. Im Jahre 1822 verband sich auf Javadie aufsteigende Aschenmasse mit dem wolkenbruchartigen Regen, und dieherabstürzenden Schlammfluthen verwüsteten 114 Dörfer. Der Lavastromdes Vesuv vom Jahre 1794 war 17500 Fuss lang, 2000 Euss breit und 40Fuss hoch, seine Masse betrug also 457 Millionen Kubikfuss, und gleich-zeitig ergoss sich ein halb so grosser Strom auf der andern Seite desBerges herab. Aus dem Skaptar Jökul( Skeptea Jökal) auf Island flossen1783 drei Ströme herab, von denen der erste ein fast 600 Fuss tiefes Thalausfüllte und vor demselben sich zu einem grossen Lavasee ausbreitete; derzweite ergoss sich über diesen, und der dritte in anderer Richtung, aberebenfalls einen See von 15 Meilen Durchmesser und 100 Fuss Tiefe bil-dend.
Mit Unterbrechungen dauerten die Ausbrüche dieses Vulkans vom8. Juni bis zu Ende August fort und schlossen mit einem Erdbeben vonausserordentlicher Heftigkeit; gegen 1300 Menschen verloren ihr Lebenwährend und in Folge des Ausbruchs, welcher auch den Untergang von20,000 Pferden, 7000 Rindern und 130,000 Schafen veranlasste; die Fi-schereien an der Südküste der Insel wurden zerstört, und Island hat sichbis zum heutigen Tage noch nicht von dem unheilvollen Ereigniss jenesTrauerjahres erholt. Die wirkliche Ausdehnung jener Ströme geschmol-
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zenen Gesteins ist noch niemals genau bestimmt worden. Der Strom, wel-cher durch das Bett der Skaptaa floss, hatte ungefähr 12 Meilen Längeund 3-4 Meilen in grösster Breite, der andere Flusslauf gegen 10 Meilenbei 2 Meilen Breite. Die Tiefe der Ströme war sehr verschieden: in denFlussrinnen und Thälern von 470-560 Fuss, in den Ebenen aber seltenüber 90, und oft nicht über 9 Fuss. Nach der geringsten Schätzung kanndie ganze Masse geschmolzener Materie, die in dem kurzen Zeitraum von10 Wochen dem Innern der Erde entströmte, nicht unter 150,000 MillionenKubikfuss oder 40,000 Millionen Tonnen betragen haben.
Viele der noch thätigen Vulkane ruhen oft Jahrhunderte lang, und die VulkaneAmerika's haben selten mehr als eine Eruption in einem Jahrhundert. L. v. Buch,der genaueste Beobachter der Vulkane, unterscheidet bei den vulkanischen Ausbrüchen,
B. Cotta's Briefe Bd. I. S. 61-63. 74-82. 84-91.
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wobei er vorzüglich den Vesuv als Beispiel im Auge hatte, vier Perioden, die soziemlich mit unsrer oben angegebenen allgemeinen Schilderung übereinstimmen. Dieerste umfasst die Vorboten. Die Erde schwankt und bebt, oft nur leise, oft bis zumgänzlichen Umsturz der Gegenstände auf ihrer Oberfläche; manchmal nur von Ge-räusch, manchmal von lautem Rollen und Donnern begleitet. Die Schwingungen desErdbodens sind in der Nähe des Vulkans am stärksten, wirken oft auf die entlegen-sten Punkte, stürzen ganze Städte und Ortschaften nieder, erheben das Meer oftmehrere Klafter hoch, und machen es gegen das Land strömen, wo es furchtbareVerwüstungen anrichtet. Manchmal versiegen, in Folge desselben, die Quellen, jaganze Flüsse; eseröffnen sich durch die heftigen Stösse in den Bergen mit Wassererfüllte Höhlen und Spalten, und ergiessen mit diesem( wie z. B. in Süd- Amerika )Schlammströme und unzählige Fische( Pimelodus Cyclopum). Endlich zerreissen dieDämpfe, welche dem ungeheuren Druck der im Innern siedenden Lava nicht mehrwiderstehen können, den Berg an seinem Abhang, oder am Fuss des Kegels, immerin einer senkrechten, nie in einer horizontalen Spalte. In der zweiten Periodebricht aus dieser Spalte die Lava als glühender Strom hervor, und hell leuchtendeFlammen, welchen ein erschütternder Knall vorhergeht, erheben sich über den Krater.Oft bilden sie eine Feuersäule, welche glühenden Sand, Steine, Asche bis 3000' senk-recht in die Höhe treibt, und sich selbst vor Stürmen nicht beugt. Mit dem Lava-erguss hören gewöhnlich die Erdbeben auf. Dichte schwarze Wolken umhüllen inder Regel den Lavastrom; weisser Wasserdampf, der bisweilen schwefelige Säure,Salzsäure, Kochsalz führt, erhebt sich von seiner Oberfläche. Oefters steigen nachfurchtbaren Donnerschlägen Feuerwolken aus dem Krater, die im Verschwinden zu-weilen unter heftigem, höchst unangenehmem Geruch, glühenden Sand- und Stein-regen fallen lassen. Seltener wird die flüssige Lava bis über den Kraterrand empor-gehoben, und fliesst in kleinen Bächen am Kegel herab, oder sie wird von denDämpfen in die Höhe geschleudert, und nimmt, sich im Fluge abkühlend, die sonder-barsten Formen an. Der Berg tobt hierbei fortwährend und erzittert unter Donner-schlägen. Nachdem diese Erscheinungen nachgelassen, Flammen und Rauch sichvermindert haben, erhebt sich nun, oft unter neuen Erschütterungen, in der drittenPeriode, eine majestätische Rauchsäule in der erhabenen Gestalt einer Pinie. Flam-men erscheinen selten, aber Wasserdämpfe in ungeheurer Menge steigen in der Rauch-säule empor,die nach oben sich in dunkles Gewölk ausbreitet, aus welchem aufden Abhang des Berges die schweren trockenen Rapilli( kleine poröse Steine undSchlacken), weit über Land und Meer aber graue, leichte Asche zerstreut wird, dieden Himmel verfinstert, den Tag in schauerliche Nacht verwandelt, und z. B. beimAusbruch des Vesuvs von 1822 zwölf Tage nach einander fiel', wobei die Aschensäulesich zu 9000' Höhe erhob. Das dunkle Gewölk erzeugt elektrische Spannung, heftigeBlitze und Donnerschläge, endlich durch Anziehung aller Wolken der Umgegend wol-kenbruchartige Regen, die entweder mit der Asche vermengt als verheerende Schlamm-ströme allerseits vom Gipfel niederstürzen, oder sich mit jener zu zähem Teig ver-binden, der Alles zu zerdrücken droht, und einst Herkulanum und Pompeji begrub.Hat ein Vulkan lange geruht, so erfolgen die Aschenregen auch schon im Anfangeiner neuen Eruption, wie beim Vesuv 79 v. Chr., und 1759 im September,der neue Vulkan Jorullo in Mexiko , aus Syenit und Trachytschichten hervorbrechend,sich plötzlich in der Ebene erhob. In der vierten und letzten Periode( Wochen,oft erst Monate nach den Ausbrüchen) strömen nun die Mofetten hervor, Quellenund Ströme von kohlensaurem Gas, die 6-8 Wochen lang im ganzen Umfang desVesuvs, in Gärten, Feldern, Kellern ausbrechen und die Luft verderben. L. v. Bucknennt alles Lava, was im Vulkan fliesst, und hierdurch neue Lagerstätten einnimmt.Aus der Schmelzung des Trachyts, der alle wahren Vulkane bildet, entsteht derObsidian , eine Masse, klingend und schneidend wie Glas, wovon ganze Strömeam Pic von Teneriffa, in Island, auf Lipari und in Mexiko vorkommen.stein wird von manchen Vulkanen( so 1815 vom grossen Vulkan auf Sumbava )in so ungeheurer Menge ausgeworfen, dass er ganze Inseln bildet. Durch Anschwem-mung und Absatz entstandene vulkanische Produkte sind der vulkanische Tuff undPeperino. Die sogenannte Moya, eine erdige, breiartige Masse, stürzt bei starkenErdbeben mit den Prenadillas( Pimelodus Cyclopum) aus dem Innern einiger Vulkanein Quito , und besteht wohl aus zerriebenem kohligem Trachyt. Viele Stücke brennenso gut, dass sie zum Kochen dienen. Manche der festen vulkanischen Materien geben,im zerriebenen mit Kalkbrei vermengten Zustande, einen hydraulischen Mörtel, Poz-zuolana. Der Trass besteht aus einer Anhäufung gebrannter, aschenartiger Substan-zen mit viel Bimsstein.Solfataren( Soufrières) nennt man, einmal, alle Gase, Was-ser- und Schwefeldämpfe ausstossenden vulkanischen Oerter und Ansammlungen vul-kanischen Schwefels, dann die Vulkane selbst, welche lange keine wahren Eruptionengemacht haben, sondern nur noch Rauch, Wasserdämpfe und Gase ausstossen. Beimehreren solchen Vulkanen vernimmt man im Kratergrunde ein Geräusch, wie vonMassen kochenden Wassers( so auf der Insel Volcano ), und heisse Quellen entspringen
Reuschle's Kosmos, Bd. II. S. 63-67.84-93. 95-101. 125-128.
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Bims-