XII
durch die besonnene, echt wissenschaftliche, an der Hand derGeschichte gehende Behandlung solcher Fragen gewonnen wird?)
Um dem gefürchteten Uebelsiand durchaus zu entgehen,haben wir, wenn schon oft mit innern» Widerstreben undschmerzlichem Bedauern, nur eine ganz geringe Zahl vonneueren vaterländischen Reden aufgenommen, und vielmehruns dem AuSland, und einer zum Theil schon entlegenen» Zeitzugewandt; so daß, dünkt uns, eine ziemlich ungeschickte Handdazu gehören muß, um dem oben bemerkten Nebclstand durchvorliegende Reden etwelche»» Vorschub zu leisten.
Gewiß ist wenigstens das, daß, wenn Rhetorik fernerhinUnterrichtögegcnstand unsrer Schulanstalten bleiben und vonder auf ihr ruhenden Geringschätzung**) befreit werden soll,
*) Obiges war schon geschrieben, als uns nachstehende interessanteMittheilung über die von der gemeinnützigen Gesellschaft am28. Jan. »888 in Zürich abgehaltene Zusammenkunft gemachtwurde. Gegenstand der Verhandlung war nehmlich die Frage,ob und wie weit Politik auch in der Volksschule gelehrt werdensolle? Man sagte: Wie für den Eintritt ins kirchliche Leben einbesonderer Unterricht die Jugend befähige, so müße dies auchfür das staatsbürgerliche Leben der Fall sein. Nur so könneman hoffen, daß ein gebildetes, kräftiges Staatsbürgerthum)wie es die Verfassung wolle, in dem heranwachsenden Geschlechtbegründet werde. Ob durch einen besondern Katechismus',oder nur nebenbei beim Geschichtsunterricht dieser Zweck zuerreichen sei, darüber allein schien einige Meinungsverschieden-heit obzuwalten; nicht aber darüber, ob es wünschbar undnothwendig sei, schon in der Schule den Grund zu echter po-litischer Bildung zu legen. Ferner wurde bemerkt: auf demW*gc, wie jetzt die jungen Leute zuerst mit der Politik bekanntwürden, kämen sie zugleich auch zu der stxcn Vorstellung, diePolitik gehöre ins Reich der Leidenschaften; e§ könne dahernur wohlthätig sein, wenn die jungen Bürger gewöhnt wür-den, ruhig und verständig, wie es' dem Lehrer zukomme, vonPolitik sprechen zu hören und selbst zu sprechen. Es steht nunzu erwarten, welcher Beschluß in der allgemeinen Versamm-lung werde gefaßt werden.
") „Unter allen Intentionen des menschlichen Geistes ist die Rhe-torik die abgeschmackteste, besonders wenn sie, wie in Deutsch-land, nur einen schulmeisterlichen Charakter, aber keinen öffent-lichen an sich trägt. Die Bildung der Völker befindet sich aufeiner Stufe des' Bewußtseins, wo man sich nicht mehr durchstylistischc Figuren und s. g. Redekünste bereden, überzeugensind imponiren lassen kau», sondern nur durch die Sache selbstund ibre gcdankcngcmäße Vcranschaulichung. Die Redekunst