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2. Das Stift St. Gallen entsagt allen seinenweltlichen Rechren im Thurgau.
Alke n st ü ck.
Da wir i)6o-,n, und Kapitul des Fürstlichen StiftsSt. Gallen von einer lobt. Thurganischcn Landes -Lommis-s,nh angegangen worden/ allen unsern in, Thurgäu gele-genen Niedcrgrichtsherrlichcn Nechtsamcn auf immer zu ent-sagen/ und mithin dieselbe zu Handen einer beständigen Vol-kes.Regierung von nun an gänzlich niederzulegen/ so wollenwir dieser von da aus uns geäußerten Willens-Meinung, undgethanem Anvcrlangcn mir dem Vorbehalt entsprechen/ daßwir bei unsern wohlhergebrachten Rechten/ als auch Zehen-den, Grundzinsen/ Zinse»/ Lehen und all anderen Eigen-tbümcren/ und dercnselbcn Gefühlen von einer jeweiligenhohen Landesregierung/ so wie cS von denen ehemals regie-renden hohen Ständen bcschehcn ist/ bestens belasse»/ da-bei kräftigst beschützet/ und in all übrigem gleich anderenLandesbürgern behandelt werden. Zu dessen Urkund haben wirunser gewöhnliches Konventdekret-Jnstegel hierauf gedruckt/so gegeben und beschehen
Stift St. Gallen/ den 21 . Mär; 1798.
3. Johannes Küenzle von Goßau.
Welchem Zeitgenossen der letzten zehn Jahre des vorigenJahrhunderts ist nicht der Name Johannes Küenzle infrischem Andenke»/ der als kühner VolkSmann gegen dietausendjährige Dynastie der Abtei St. GalieU/ — ein abgewelk-tes Institut des Mittelalterö mit einigen neuern Zuwüchsen,das wie ein nerv- und markloseS Gerippe schon lange denKeim der Auflösung in sich trug, und endlich vor dem starkemHauche des Geistes jüngerer Zeit in Trümmer zerfallen mußte—siegreich auftrat- der bei Einigen im Sonnenlichte hohenRuhmes strahlte, von Andern in die Klasse der Empörer ge-setzt wurde, dessen Bildlich die Wand so mancher stillen Woh-uung auf dem Lande deckte, und der alö Held des Tages inVolksliedern besungen wurde?
Möchte es sich nicht der Mühe lohne», einen Versuch zu