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Briefe an Bonstetten.
Absicht ist klar, und verräth eine seichte Kenntnißder heiligen Sachen; es ist viel Gutes im Koran,aber nichts, das demselben eigen wäre. Die Ver-fasser haben ihn aus allen Religionen gestoppelt;ich erinnere mich, daß, ehe ich einen bessern Be-weis fand, mir für das Christenthum, zumal diewunderbare Zusammenfügung der Umstände, wo-durch es bereitet worden, den ersten bessern Ein-druck machte, daß ich aber nachmals ganz irre wur-de, durch den Gedanken, daß der Islam und alleandern Religionen, so wie alle menschlichen Dinge,nicht weniger zubereitet worden, sintemal sie sonstgar nicht hätten können stattfinden, so daß je-nes dem Christenthum nicht eigenthümlich ist. Ichschrieb dir dieses von Cassel; seither ist mir dieseSchwierigkeit gehoben worden, durch die Bemer-kungen des wichtigen Unterschiedes, daß derIslam rc.zwar in dem Zusammenhang der Dinge vorbe-reitet, nicht aber wie unsere Religion viele Jahr-hunderte zuvor umständlich angekündigt worden:diese wurde erwartet (wie auch Lacitus und Sue-tonius anzeigen), jener nicht, wenn dieser nichtwäre, so würde niemand ihn wünschen; die Juden,welche Christum nicht erkennen, erwarten einenseines Gleichen, weil diejenige Religion, von derdie unsrige eine Entwicklung ist, unvollständig istohne sie.
Eine Wollust ist mir das Lesen von Bayle ré-publique des lettres, wovon ich immer ein Bänd-chen bei mir trage, um es unterweges, wenn ichnach Genthod gehe, oder wo ich etwa in einemZimmer allein bin, zu lesen, so viel guten Witzund Gelehrsamkeit hatte Bayle.
Es ist eine gleichzeitige Chronik der Geschichteder Stadt Bern aus dem i4ten Jahrhundert ge-