Briefe an Bonstetten.
S
Mann von 60,000 Pfund Sterling. Ich erwartedeine Antwort mit größter Begierde. '
Lies, ich bitte dich, den Halicarnaffenser Dio-nvsius, er ist ins Deutsche übersetzt, ich weiß nicht,wie, aber es ist nicht möglich, einen angenehmernberedtern Geschichtschreiber zu lesen, oder der demLeser mehr die Sachen gegenwärtig mache. Duwirst weinen über Coriolanus. Die Reden sindvoll Staatskunst, alles ist vortrefflich vorgestellt.
Liebe mich, wie ich dich, das will viel sagen,so viel, als mein Herz fähig ist. Lebe wohl.
250,
Boisstcre, den 20 Text. 1785 .
Vitruvius habe ich mit ungemeinem Ver-gnügen gelesen, weil er so besonders lichte undhohe Begriffe von der Ausdehnung und von denTheilen seiner Kunst hat. Seine Definition istLamberts würdig; aus historischen Umständen, dienur er hat, ist vieles zu lernen. Seiner Schreib-art nach würde man ihn aus dem Zten oder 4tenJahrhundert glauben, und meist ist in seinenSätzen einiger Ueberfluß an Worten, der aber ihreKlarheit nicht hindert. Nach diesem habe ich Gra-tins gelesen, zu dessen Ruhm nur ein wichtige-rer Gegenstand fehlt; aus ihm habe ich doch dieArten der Jagdhunde und Pferde, und ihr Ver-hältniß zu den Sitten der Völker, kennen gelernt.Auch ist Verschiedenes hierüber bei Nein esia nus,aber im Ganzen ist jener vorzüglich. Der armeCalpurnius in seinen Eklogen lehrt wenigmehr, als einige Umstände der Theaterverzierun-gen. Beredt, voll Feuer und Starke, würdig,