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Briefe an Bonsietten.
4.
Wien, den 3 Jan- 94.
Eine wahre Schande und ein Zeichen der Zeitist es, daß Treu und Glaube nicht einmal beimGeschichtschreiber der schweizerischen Eidgenossenmehr zu finden ist: am 5 Februar schreibe ich dir,was ich auf den l Januar versprochen; es gehtunter uns zu, wie in Frankreich und in Polen;deine alt hergebrachten Rechte auf meine Stunden,der kaum geschlossene Vertrag eines zweifachenmonatlichen Tributs, wird für nichts geachtet. Esgeht einem wirklich wie dem tarentinischen Chärra,wenn man sieht, wie die Götter handeln: egohumuncio icl non facercm? Nach diesem schönenGrundsatz befriedigte der komische Bube seine fleisch-liche Lust, und ick, anstatt mein Wort zu halten,las im Jännermonat (und ercerpirte) ein Paartausend Folioseiten aus Scr-ijNoi-iKus. So istjeder der Sklav seiner Triebe, wenn er nicht derMühe werth hält, sie zu bekämpfen, oder wenner sie zur Präpotenz hat kommen lassen. Ich ar-mer sündiger Mensch bekenne die Sache, wie sieist, und hoffe nun von dir, lieber Bonstetten --ein recht schönes Compliment. Ja! ein Compli-ment; mit der Vergebung versteht sich'S von selber,jenes verdiene ich für meine Wahrheitsliebe. Ichhatte dir können weiß machen, die Schicksale Eu-ropens haben meine Muße beschäftigt; ich habeTheil an den nie gesehenen Efforts, welche sie dochnach dem bisherigen Staatssystem anpassen sollen,genommen; ick hätte für diese erhabenen Sorgenauf eine gewisse Ehrfurcht Anspruch machen kön-nen: und ich, gutherzig, wie ich mich nie ver-stellt, gab mich auf Gnade und Ungnade schuldig,wie ich mich weiß, dahin.