92
Beobachtungen über Geschichte,
Regierung angepriesen, daß ein gutes Systemnicht mit einem Könige abstirbt, sondern im Geistaller Rathsherren fortlebt, und auf die Nachweltfortgepflanzt wird. Aber selten wird diese Regie-rung die Veränderungen machen, welche die Um-stände erfordern; die Fehler werden pcrpetuircn,und alles, wie bei den Chinesen, in der erstenUnvollkommenheit bleiben.
139 .
Die heutigen Republiken werden durch die Cor-ruption ihrer Grundsätze, das ist, den Mangeldes public Spirit, und durch die furchtsame Lang-samkeit ihrer Magistrate fallen. Sie werden keinePartei zu ergreifen wissen. In solcher Unent-fchlossenheit befand sich (wie Macchiavelli bemerkt) *)Syracusa nach Hiervnymus, Lavinium im Latiner-krieg, Floren; beim Einfall Ludwigs XII, ei su-per perdere lo stato.
140 .
Die Hülfsquellen einer Monarchie werden voneinem weisen Nachfolger zur Verbesserung alterStaatsfehler angewandt (vergl. Karl den Weisenmit König Johann); eine Republik aber, welcheein böses System wählt, ist ohne Hülfe verloren.
141 .
Eine republicanische Regierung kann gute Ma-rimen dauerhafter befolgen, weil kein Ravaillaceinen Rath ersticht, kein Karl von Navarra ihnvergiftet.
142 .
Der Republiken höchster Vortheil ist die Unitätdeö Staatsintcrcsse's, wo die Stratsadministrationkein besonderes hat.
’) Discorsi sopra . . . Livio. p. 181.