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Johannes von Müllers Briefe an Carl Victor von Bonstetten III : geschrieben vom Jahr 1773 bis 1809 ; Briefe an Herrn Charles Bonnet : Briefe an Freunde 1 / herausgegeben von Friederika Brun
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124 Leo-achtungen über Geschichte,

publiken durch Leute, welche in Monarchien, beidemehrmals durch Leute, so in idealische Staaten,in Klöster oder auf Katheder gehörten. Damitaber Eltern den Ruf der Natur nicht unterdrü-cken, so erziehe der Fürst, auch aus seinem Schatz,die von der Natur besonders Ausgezeichneten;eine Nachlässigkeit hierin ist ein Verlust für denStaat, oder kann seinen Retter oder Rath in einCorps stecken, dessen Verderben und Unglück erwird. Die Natur spricht bei denen, welche zugroßen Dingen bestimmt sind, laut. Richelieuund Mazarin regieren daher, statt zu predigen.

247.

Wessen Empfindlichkeit von andern Eindrückenleicht anders gebildet wird, der liebt mit Warme,glaubt es oft im Ernst unmöglich, den oder die-sen einst kälter zu lieben; aber sein Bild ist nichtmit Erzgriffeln aus den Grund seiner Seele gegra-ben, sondern wird nur für einige Minuten inSand gezeichnet und vom Winde bald verweht.Darum Festigkeit der Denkungsart ein Haupter-forderniß zur Freundschaft, und unter Völkernohne Grundsätze dieselbe am seltensten ist. DieEmpfindsamsten, wenn sie nicht von starkem Geistesind, sind daher die unbeständigsten Freunde.

248.

Niemand als der Mann von großem Muth(vigor des Geistes) und wahren Vorzügen über-nimmt mit der Besorgung seines Glücks zugleichdie Sorge für seinen Freund, und lebt und wagtauch für den. Daher Theseus mit seinem starkenArm, Harmvdius mit sser Unbeweglichkeit seinesGeistes, Scipio und Lälius mit ihren großenRessourcen, Heinrich mit der hohen Würde seinesHerzens, Sullp mit seiner unabhängigen verdienst-