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Erste Einnahme von Soissons.
! Soissons, am linken Ufer der Aisne, ist als Flußübcrgang und alsVcrcinignngspunct mehrerer Straßen eine Stadt von militairischcr Wichtig«k keit, überdies nahe genug an Paris, als daß ihr Fall nicht geeignet gewesenwäre, in dieser Hauptstadt Schrecken zu verbreiten, vielleicht den Weg dahinzu bahnen. Ucberdies erschien es als die vortheilhaftcste Ablenkung, die manzu Gunsten Blüchers machen konnte, indem man diesen Posten erstürmte,welcher von Napoleon gleichsam zu einem befestigten Lager bestimmtworden war, um daselbst neue Truppen, besonders Nationalgardcn, zuvereinigen. Tschcrnitscheff schlug daher seinem Vorgesetzten vor* *),gerade auf Soissons zu marschircn, und die Einnahme dieses wichtigenPlatzes, der im glücklichen Falle die ungehemmte Verbindung mit demlinken Aisncufcr und bis an die Marne öffnete, zu versuchen. Winzin-gerade trug Bedenken, sich in das Unternehmen einzulassen, da er wußte,daß einer der entschlossensten Anhänger Napoleons, der General Rusca,. in dem Platze befehlige, und daß die Besatzung sehr stark sei**). Indessenwaren die Vortheile doch auch zu lockend, und so ertheilte er denn endlich demGeneral Tschernitschcfs die nöthige Erlaubniß, auf Soissons zu mar,schirm, machte ihn jedoch für den Ausgang des Unternehmens verantwortlich.
dass auch die Garnison derselben schwach sei. Ucbrigens mußte mit großer Eile zuWerke geschritten werden, um die Garnison zu verhindern, Truppen aus den nahegelegenen Städten zu sich stoßen zu lassen. Um den wahren Zweck des Marsches zuverbergen, schickte General Tsthernitscheff ein Detaschenient gegen Mons, führte selbstmit der Avantgarde einen formten Nachtmarsch aus, und erschien am
früh Morgens vor Avcsncs. Er forderte sogleich die Uebergabe der Festung undstellte die Artillerie in der Entfernung eines Flintenschusses auf die Anhöhen, welchedie Stadt beherrschen. Sein plötzliches Erscheinen und seine Drohungen hatten denCommandanten eingeschüchtert, und er ergab sich ohne Widerstand: 2t) Geschütze und200 Mann, welche die Garnison ausmachten, wurden genommen, und gegen 400gefangene Engländer und Spanier befreit. Die Wichtigkeit der Einnahme vonAvesncs bestand darin, daß man, die Operationen auf diese Festung stützend unddurch sie die Communicationen sichernd, ohne Gefahr in die alten Grenzen Frank-reichs eindringen konnte. Den Tag darauf wurde auch Laon, nach einem schwachenWiderstände der Nationalgarde, von Tschernitscheff genommen. Diese Bewegungenmachten einen um so größeren Eindruck, da weder Napoleon, noch seine Truppenerwarteten, daß die Verbündeten vor der Unterwerfung der Niederlande, besondersaber Antwerpens, von dieser Seite in Frankreich eindringen würden. Die von derRegierung angeordneten Recrutcnaushcbungen wurden eingestellt, die Nationalgardezerstreute sich in ihre Wohnungen, und die Einwohner, beruhigt durch die mildeBehandlung der russischen Truppen, und von ihren Fortschritten eingeschüchtert,dachten nicht mehr an Bewaffnung, zu welcher sie durch fortwährende Proklamationenaus Paris aufgefordert wurden."
*) Michailofsky-Danilefsky, I. 119.
In Bezug auf die Besatzung von Soissons sagt llocli, !l. x. 236 -, „Obschon derKaiser, wie dies im Jahre 1792 schon geschehen, diese Stadt zu einem SammlungSlagcrder Nationalgarde bestimmt hatte, so befanden sich darin doch nur die Stämme vonsechs Bataillonen, ein Depot von zweihundert Italienern und etwa hundert Gensd'armen.An Generalen allein mangelte es nicht; denn der Divisionsgcneral Rusca hatte dieBrigadcgcnerale Bcrruycr, Dauloup-Verdun und Longchamps unter seinen Befehlen."Michailofsky-Danilefsky, I. 119, giebt Soissons eine Besatzung von 7600 Mann,Plotho,l>1.202, aber nur von 3000 Mann, was der Wahrheit näher zu kommen scheint.