299
und Kriege im Hintergründe zeigte, abhold waren und es als weiser ansich und als fürsroglichcr für das zukünftige Wohl unseres Wcltthcilcserachteten, den Kaiser Napoleon nicht in jene äußerste Grenze zu treiben,wo, wenn er bis in sie getrieben war, er als Beherrscher von Frankreichdurch Frankreich fortan unmöglich wurde; es wäre endlich unter diesenVoraussetzungen gar nicht undenkbar, daß eine solche Ansicht im Rathe derSouveraine und ihrer Minister erörtert worden sei: allein behaupten, daßder Feldmarschall Fürst Schwarzcnbcrg geheime Befehle erhalten habe,unthätig zu sein. Befehle, von denen mithin die zwei anderen, auf demKriegsschauplätze anwesenden, großen Monarchen und die Stellvertreter derübrigen europäischen Fürsten keine Ahnung hatten, heißt sagen, daß derösterreichische Hof sich einer Unredlichkeit gegen seine Bundesgenossen, mitdenen er Einen Zweck und Ein Interesse hatte, schuldig gemacht habe. Einesolche Thatsache, eine Thatsache, welche die Ehre eines großen Monarchen,eines großen Staatsmannes und eines großen Feldherrn geradezu antastet,eine Thatsache, welche, wenn sie wahr wäre, bewiese, daß diese Männerfähig gewesen, ein heilloses Spiel mit ihren Verbündeten, mit dem Lebenihrer Krieger, mit ihrer eigenen Sache, mit dem Schicksale selber zutreiben; eine solche Thatsache darf man nicht in die Geschichte cinschwärzen,indem man sich dabei auf einen verblichenen Herrscher beruft, welcher sie, wäresie richtig, von allen Menschen am Wenigsten erfahren haben würde, undauf den Fürsten Schwarzcnbcrg selbst*), welcher, wäre an ihr auchnur soviel als der Schatten des umflorten Mondes gewesen, ihr niemalsWorte gegeben haben möchte. Wenn es eine politische Nothwendigkeitgewesen oder als solche erschienen wäre, dem Kaiser Napoleon gewisser,maßen eine letzte kurze Frist zu gewähren, binnen welcher man mit ihmnoch als rechtmäßigem Souvcrain unterhandeln wolle, so würde, fallsOesterreich diese Ansicht hatte und sie durchzusetzen wünschte, eine förmlicheMittheilung an die übrigen Souveraine erfolgt, und nach gepflogenen Bc,rathschlagungcn ein gemeinsamer Beschluß gefaßt worden sein. Dem KaiserFranz aber, von dem allein der geheime Befehl ausgehen konnte, den dereirirte Schriftsteller**) mit solcher Zuversicht als gegeben behauptet, demKaiser Franz eine solche Handlungsweise zutrauen, ist eine schwere Ver,sündigung an dem Andenken dieses redlichsten Monarchen, dessen Rcchtssinnschon bei dem bloßen Gedanken geschaudert haben würde, seinem Feld,marschall, der nicht nur seine Armeen, sondern auch die Streikkräfte sovieler anderer Souveraine anführte, etwas zu befehlen, das auf eben diesefremden Strcitkräfte jedenfalls den allcrwcsentlichstcn Bezug hatte, undmöglicher Weise sehr schlimme Folgen nach sich ziehen konnte, — ohne zuvordie Zustimmung der bethciligten Herrscher erlangt zu haben. Bei dem un,wandelbaren Entschlüsse aller verbündeten Monarchen, dem ehrgeizigenund maßlosen Streben Napoleons für immer ein Ziel zu setzen, undbei dem, als unerschütterliches, historisches Factum feststehenden, edlen und
*) Siehe die Note S. 298 dieses Theiles.
**) MichailofSkv-DanilefSky.