Band 
Zweiten Theiles Erster Band.
Seite
355
JPEG-Download
 

335

Truppen zu übernehmen, und unverzüglich gegen Lyon die Offensive zuergreifen, während der Erbprinz von Hessen-Homburg, welcherbisher den, an der Saone stehenden Theil der österreichischen Reserve be-fehligt hatte, die Weisung erhielt, sein Hauptquartier zurück nach Vcsoulzu verlegen, aus den, über Basel nach Frankreich ziehenden Verstärkungeneine eigene Reservearmee zu bilden, mit dieser nach Bourg-cn-Bresse vor-zurücken, und die Generale Bubna und Bianchy zu unterstützen. Eswar klar, daß diese Anordnungen von der dringenden Nothwendigkeit, dieRückzugslinie nach der Schweiz zu decken, geboten wurden; es war fernereinleuchtend, daß Fürst Schwarzcnberg bei einer solchen Gestaltung derDinge nur bei der Gewißheit des Sieges eine Hauptschlacht hätte wagendürfen, oder aber, falls sie nothwendig geworden wäre, sich den eigenenRückzug zu erringen; es lag endlich am Tage, daß man dorthin, vonwoher man Verstärkungen erwartete, unausweichlich halte einen beträchtlichenTheil der Hauptarmce senden, sie daher schwächen müssen. Dies Allesmachte den tiefsten Eindruck auf die zum Rathe versammelten Herrscher,Feldherren und Eanzlarc. Chambery war bereits genommen, Genf ingroßer Gefahr, es konnte schon gefallen, Augcreau konnte siegreich nachAuxonne und in die Schweiz vorgedrungen sein. Dann hätte 'in der That

die Lage des Haupthccrcs sehr schlimm werden können. Durch die vielen

Kämpfe, die schlechte Witterung, Entbehrungen aller Art, woraus ver-derbliche Krankheiten entstanden waren, besaßen die Verbündeten fast nurmehr die Hälfte jener Streitmacht, mit welcher sie vor einem Monate dieMarne überschritten hatten. Die rückwärtigen Provinzen waren nicht nur

auSgesogcn, sondern die Einwohner, aufgereizt durch die Kunde von Na-

poleons Siegen, und erbittert über die Lasten, welche ihnen die Ver-bündeten zur Erhaltung ihrer Heere hatten auflegen müssen, allenthalbenzum Aufstande reif. Brach derselbe ernstlich aus, so war es um sämmtliche,vom Rheins zuziehenden Proviantcolonnen und sonstigen Zufuhren geschehen,und es hätte das furchtbarste Uebel, welches ein Heer treffen kann, Demo-ralisation, einreihen können. Gelang dann Napoleon irgend ein großerSchlag, und war den Verbündeten der Rückzug nach der Schweiz versperrt,so wurden sie gegen die Festungen an der Mosel und Maas und in dieVogcsen zurückgeworfen, wo sie ihr Geschütz und Gepäcke verloren haben,durch Hunger, Kälte, die Volksbewaffnung, die Fcstungsbcsatzungcn, undden nachdringenden Feind aufgerieben worden sein möchten.

Unter solchen Umständen und bei einem so trüben Blicke in die Zu-kunft nahmen die verbündeten Herrscher keinen Anstand, zu gestatten, daßnun von ihrer Seite geschehe, was von Seite des Kaisers Napoleonkurz vor seinem Abmärsche gegen die schlcsische Armee*) geschehen war.Der Flügeladjutant Fürst Wenzel Liechtenstein wurde mit einemSchreiben des F-cldmarschalls Schwärzende rg an den Majorgencral derfranzösischen Armee, Marschall Bert hier, gesendet, in welchem Schreibendie Verbündeten auf Abschluß eines Waffenstillstandes antrugen. Napoleon

Kocl>, I. p 340.

23 *