Palladio trug nicht wenig dazu bei, diese Bewegung zu ver-mehren. Jeder wollte einen Bauplan von ihm haben. DieLandgüter in den Umgebungen der Stadt und die Ufer derBrenta verschönerten sich durch eine Menge von Palästen undLusthäusern, welche die Schule dieses Zeweiges der Civil-Architektur wurden.
Der Vorzug des Geschmacks Palladio's, oder was seinerSchule ein größeres Ansehen verschafft, bestand darin, daß erseine Plane sorgfältiger ausgearbeitet, als gewöhnlich vor ihmgeschehen; daß er sie mehr den Bedürfnissen der neueren Zeitenund den Kräften der Mindervermögenden anzupassen, Großesohne große Maaße, Reiches ohne große Kosten zu schaffengewußt; daß er das Geheimniß verstanden, die Säulenord-nungen mit einem besondern Geschmacke an den Fahnden derPaläste anzubringen und die Verschiedenheit der Materialienals Mittel zur Verzierung der Gebäude zu benutzen. Endlichdarf man behaupten, daß in der Nachahmung des Alterthumskeiner seiner Vorgänger diese richtige Mitte von Korrektheitohne Pedanterie, von Strenge ohne Härte, von Freiheit ohneUnordnung getroffen, wodurch er die griechische Architekturgleichsam popularisirt hat. Unstreitig hat die Schönheit undMannigfaltigkeit seiner Modelle sehr viel dazu beigetragen,das System dieser Architektur und seinen Styl allen Länderneigen, auf alle Gewohnheiten, alle Arten von Materialien,bei allen Arten von Gebäuden im Kleinen wie im Großenund für alle Vermögensumstände der Bauenden anwendbarzu machen.
Wirklich gibt es keinen Architekten, der, nachdem er seinenStyl nach den großen Mustern der alterthümlichen Kunst undder ersten Meister des neuen Italiens gebildet oder verbessert,nicht für nöthig hielt, im Vaterlande und in den WerkenPalladio's eine Art von häufiger vorkommenden und unserenSitten und Gewohnheiten mehr entsprechenden Kunstanwen-