Band 
Zweiter Band.
JPEG-Download
 

13

Andrea Palladio .

zu erklären und zu coinmentiren. Diese Zusammenstellung zeigtuns, wie sehr er fähig war, den Verlust der Zeichnungen desrömischen Architekten zu ersetzen. Nach den Beispielen des Al-terthums und seinen Lehren gebildet, zeigt er uns in seinenWerken die Vorschriften und zugleich die Anwendung derselben.

Den Beweis davon finden wir in einem seiner elegantestenPaläste und in der Erwähnung, die er uns von demselbenhinterlassen. Es ist dieß derjenige, den er zu Vicenza füreinen Herrn dieser Stadt, Namens Giuseppe de Porti erbaut.Er begann seinen Plan auf die symetrischste Weise auf einemPlatze auszuführen, der an zwei Straßen stieß und demnachGelegenheit bot, die nämliche innere Eintheilung und dennämlichen äußeren Aufriß auf beiden Seiten zu wiederholen.Es sind gleichsam zwei vollkommen ähnliche, durch einen ge-meinschaftlichen Hof vereinigte Häuser. „Das Vordere,sagt Palladio selbst, ist zum Gebrauche des Eigenthü-mers, das Hintere wird, nach der Sitte der Grie-chen, welche ebenfalls zwei unterschiedene Wohnun-gen hatten, für die Fremden seyn." Dieser doppeltePalast besteht aus einem Erdgeschosse in Arkaden und nurwenig vorstehenden Bossagen, die den Untersatz einer Ordnungjonischer Säulen bilden, welche die sieben Fenster der Fa^adetrennen. Ueber denselben erhebt sich eine Attika, durchbrochenvon kleinen viereckigen Fenstern, deren Pfeiler mit senkrechtüber den Säulen befindlichen Statuen geziert sind. Ueber denFenstereinfassungen der ersten Etage sind abwechselnd spitzwin-kelige und runde Giebel angebracht. Der Hof ist mit einer,von Säulen mit zusammengesetzten korinthischen Kapitälengebildeten Gallerie umgeben. Die Säulen sind von der Ba-lustrade einer obern Gallerie durchschnitten, welche bis zu denFenstern der ersten Etage reicht.

Fast in keiner Einzigen seiner vielen Compositionen hatPalladio sich je wiederholt. Ohne jemals den richtigen Mit-