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Erster Band, enthält: Boden und Geognosie, oder das Land : zweiter Band, enthält: Das Wasser / in Verbindung mit mehreren Gelehrten herausgegeben von Karl Friedrich Vollrath Hoffmann
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Geologischer Rückblick auf Europa. 327

entspricht, als ob beide früher ein Gebirgsststem gebildet hätten, dessenKern durch die Gewalt von Süden hereingebrochener Fluthen weggerissenund in die Nordsee hinabgespühlt wurde. Einen Fall vom Gegentheilbietet der Apennin mit den durch Jstrien und Dalmazien verlgusentenund die Inseln des adriatischen Meeres bildenden Gebirgszügen dar;beide haben gleiche Streichungslinien; während aber in dem Apenninaußer den kristallinisch-körnigen Gesteinen, welche sowohl in seinemoberen als in seinem unteren Drittheil mächtig genug hervortreten, diemit den Kalk- und Sandsteingebilden der Karpaten verwandte Macigno-Bildung vorherrscht, besteht die gegenüberliegende istriscke und dalma-zische Küste vorherrschend aus Jura- und Kreidekalk, welch letzter zwarin der Skaglia und dem Macigno wieder repräsentirt wird, jedoch,fisisch betrachtet, sehr davon abweicht.

VII. Die Gestaltung der Gebirge hängt hauptsächlichvon der Beschaffenheit der Felsmassen und ihrenSchichtungsverhältnissen ab.

Wir haben nach dem Vorgänge eines Alexander v. Humboldt undanderer berühmten Naturforscher im Verlause dieses Werkes uns nochder älteren Ausdrücke: Ur-, Uebergangs- und Flöhgebirge,Schwemmland und Trappgebilde bedient, und glauben hier fürdiejenigen Leser, welche mit der Geoguosie weniger vertraut sind, einigeErläuterung darüber geben zu müssen.

i. Unter Urgebirge oder primitivem Gesteine begreifenwir, abweichend von den meisten Schriftstellern, sämmtliche kristallinisch-körnige oder massige, und kristallinisch-schiefrige Felsarten, welche, ohnedeutlich die Spuren der Schmelzung an sich zu tragen, oder im eigent-lichen Sinne vulkanisch zu sein, bis jetzt noch nie mit Einschlüssen vonPetrefakten oder sonstigen Ueberresten organischer Körper der Vorweltangetroffen wurden, und daher muthmaßlich entweder vor dem Auftre-ten organisirter Körper auf der Erdoberfläche, oder doch in Tiefen ge-bildet wurden, wohin das organische Leben nicht gedrungen war. DenNamen primitiver oder ursprünglicher Gesteine tragen dieseFelsarten deßwegen, weil sie ihren mechanischen und chemischen Be-standtheilen nach sich nicht als das Ergebniß der Zersetzung andererGebirgsarten und der Regeneration aus ihren Trümmern, wie es z. B.bei der Grauwacke, den verschiedenen Sandsteinen und Breccien derFall ist, betrachten lassen "). Das Urgebirge ist meist reich an erzfüh-

*) Wir betrachten daher das Urgebirge nicht sowohl als das muthmaßlichälteste, obwohl es häufig und sogar in der Regel als solches erscheint,