160 Giovanni Lorenzo Bcrnini.
man glauben, er sei nicht für den Ort, sondern vielmehrdieser für den Aufgang bereitet worden. Der Grundsatz Ber-nini's war: das Talent des Architekten müsse darin bestehen,selbst die Fehler eines Orts in Schönheiten zu verwandeln.Nie und nirgends hat er diesen Grundsatz auf eine glücklichereWeise in Anwendung gebracht. Eine Sonderbarkeit, die manhier bemerkt, ist, daß die beiden Seiten sich von unten nachoben verengen. War Bernini durch das Lokal selbst hierzugezwungen, oder that er dieß in der Absicht, den Effekt einerPerspektive hervorzubringen, die in einem langen und gera-den Gange das Auge täuscht, als ob die paralellcn Liniensich in der Ferne einander näherten? Man glaubt, daß mandie Hervorbringung dieses Effekts im Allgemeinen der Naturder Dinge und unserm Auge überlassen soll.
Man sollte denken, Bernini sei zu der Epoche, als ererschien, ausdrücklich dazu gebildet und gesandt worden, dieverschiedenen Theile der St. Peterskirche und des Vatikans,Werke verschiedener Zeiten und verschiedener Künstler, die sichnie einem regelmäßigen Plane zu unterwerfen schienen, zu-sammen zu passen und mit einander zu verbinden. Er wußtedie Vorhalle der Kirche, ihre Zugänge und die Treppe, vonder man eben gesprochen, mit solcher Geschicklichkeit neu zuordnen, daß dieß Alles das Resultat einer voraus bedachtenCombination zu seyn schien. Die zwei Bildsäulen Constan-tin's und Carl's des Großen zu Pferde, die er an den beidenEnden der Vorhalle aufstellte, scheinen den Raum und denAnblick derselben auf eine seltsame Weise zu vergrößern, undgeben dem Vorplätze der großen Treppe ein sehr schönes Mo-tiv der Dekoration.' Man könnte der Verzierung der meistendieser Werke einen Geschmack zum Vorwurf machen, dermehr prunkvoll als korrekt ist. Von dem Einflüsse beherrscht,welchen die dekorative Malerei in diesem Jahrhundert auf alleKünste ausübte, hielt sich Bernini im Allgemeinen bei seinen