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Zweiter Band.
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Giovanni Lorcnzo Bernini. 175

Obgleich inan ihn im Allgemeinen weder als Muster zurNachahmung noch als Beispiel zur Warnung aufstellen kann;obgleich er die Verhältnisse in den Säulenordnungen, die Ba-sis des Ebenmaßes in den Details der Profile und die Grund-sätze der Harmonie der Linien beobachtet, hat er doch nie dieReinheit der Meister des sechzehnten Jahrhunderts erreicht.Sein Styl zeigt mehr Pomp als wahre Größe, mehr Osten-tation als wahren Reichthum.

Hinsichtlich des Genies der Composition hingegen, kanner sich den größten Meistern beigesellen. Keiner besaß mehrHülfsquellen des Geistes, Keiner war sinnreicher, geschickter,Schwierigkeiten zu seinem Vortheile zu benutzen, fruchtbareran glücklichen Ideen. Sein St. Petersplatz , seine Treppeim Vatikan , sein Palast Barberini, sein Platz Navone sindWerke, welcher seinerseits die reichste Einbildungskraft undeine seltene Geschicklichkeit beurkunden.

Die Partie der Dekoration in der Architektur war dieje-nige, die zu seiner Zeit besonders zu seinem Ruhme beitrug.Aber diese Partie, welche natürlich den Revolutionen desGeschmacks am meisten ausgesetzt, ist folglich diejenige, welchedem Künstler den wenigst dauerhaften Ruhm darbietet. DerGeschmack, der oberste Richter in Allem, was von dem possi-tiven Gebiete der Vernunft ausgeht, hat an der Dekorationso großen Antheil, daß man sich nicht über die Veränderungenerstaunen darf, die sie erleidet, wenn die Sitten und Insti-tutionen auch die Beweglichkeit der Meinungen begünstigen.Indessen muß man anerkennen, daß wenn einmal in derHauptsache in dem, was das System einer Architektur bildet,ein Prinzip der Ordnung angenommen ist, die gute Art derDekoration nicht nur diesem Principe entsprechen, sondern indemselben zugleich das Mittel finden wird, sich vor den reinwillkührlichen Erfindungen zu bewahren, die, weil sie sichauf kein wahrscheinliches Motiv gründen, auch von keiner