Band 
Zweiter Band.
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Francesco Borromini . .

alle Idee des Schönen und Wahren entstellen muß. DiesesPrinzip des Neides ist der Stolz, dem einerseits jede Ueber«legenheit Anderer unerträglich und welcher den Mißgünstigenüberredet, sich vor dem Gegenstände seines Neides den Vorzugzu geben.

Was man nun in den Verhältnissen eines Individuumszum Andern als wahr anerkennt, wird man auch in den all-gemeinen Verhältnissen eines Volkes, einer Generation, einesJahrhunderts zum Andern wahr finden müssen. Ja es gibtein Gefühl allgemeinen Neides, welches die Völker, die Jahr-hunderte, die Generationen antreibt, einander zu überbieten,um sich zu übertreffen. So lange dieses Gefühl in den Gränzender Mäßigung bleibt, heißt es Wetteifer und ist von ersprieß-lichen Folgen. Sobald aber der immer wachsende Stolz, dasGefühl der Eifersucht über vorhergegangene glückliche Erfolge,über frühern Ruhm jene Gränzen überschreitet, bleibt ihm zuseiner Befriedigung nichts weiter übrig, als die Verachtungaller Grundsätze, aller Regeln bis zur Ausschweifung zu treiben,und daher der Geist der Neuerung.

Aber diese allgemeinen Wirkungen entwickeln sich, inden Künsten wie überall, nur durch eine Reihenfolge beson-derer Wirkungen, das heißt, durch Menschen, die, indemsie durch ein übelverstandencs System der Neuerung nach Ori-ginalität streben, sich einen vorübergehenden Ruhm erwerben.Dieser Ruhm reizt stets zu neuen Anstrengungen, die in ihrerFortschreitung endlich in Ungereimtheit ausarten.

Dieß war die Geschichte Borromini's . Es war ihm nichtgegeben, gleich Anfangs den Umsturz der Architektur, oder mitanderen Worten, der Grundsätze und Regeln zu bewirken, diesie zur Kunst erhoben. Schon seit einem halben Jahrhunderthatten diese Grundsätze und Regeln mehrere Erschütterungenerfahren. Wir haben bereits in dem Artikel Bernini be-merkt und brauchen es darum hier nicht zu wiederholen, daß