Band 
Zweiter Band.
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Christoph Wren.

Das Spital von Grecnwich für die Invaliden derMarine, wurde im Jahre 1669 angefangen. Man glaubtallgemein, daß Wren, und zwar ohne alle Emvlumente anseiner Ausführung Theil genommen. Dieß war nicht daseinzige Werk, wo er blos aus Liebe zum öffentlichen WohlTag und Nacht uncntgcldlich thätig war und Beweise seinerUneigennützigkeit ablegte.

Kein Architekt trieb vielleicht diese Tugend weiter, unddoch begegnete es ihm einmal, in einen entgegengesetzten Ver-dacht zu gerathen. Während er mit der größten Thätigkeitdie Arbeiten der St. Paulskirche betrieb, verbreitete mandas Gerücht, daß er seiner sehr starken Besoldung wegendas Werk in die Länge ziehe. Eine Parlamentsakte, datirtvorn neunten Jahre der Regierung des Königs Wilhelm, ver-ordnete, daß ihm bis zur Vollendung der Kirche die Hälfteseines Honorars vorenthalten werden soll. Gleichwohl betrugdieses Honorar jährlich nur zweihundert Pfund Sterling.Wren ertrug geduldig diese Ungerechtigkeit und beantwortetedie Verläumdung nur durch Stillschweigen.

Mit unzählbaren Arbeiten überladen, mit der Sorge fürdie Erbauung von ein und fünfzig Pfarrkirchen beschäftigt(denn er war nicht nur der erste, sondern im eingentlichenSinne des Wortes, der einzige Architekt seines Landes), ver-einigte Wren mit dem Talente und der Wissenschaft seinerKunst den geeignetesten Charakter für die Rolle, die er zuspielen berufen war. Die Natur hatte ihn mit einer gleich-mäßigen Gemüthsart und einer Seelenruhe begabt, die keinEreigniß zu erschüttern vermochte. Auch gehörte er zu den-jenigen Menschen, die Nichts von ihrem Ziele abzubringen.Nichts in ihrem Gange zu stören, Nichts denselben zu verzögernnoch zu beschleunigen im Stande ist. Man glaubt wahrzu-nehmen, daß man während seiner Lebzeiten seinen Werthnicht gehörig gewürdigt, wovon vielleicht seinerseits eine Ve-