Z4Z
Christoph Wre».
scheidenheit Schuld war, die bis zur Schüchternheit ging.Dieses Mißtrauen großer Talente in sich selbst, diese Verach-tung des Lobes, das sie mehr zu verdienen als zu erhaltensuchen, ist ihrerseits, besonders der großen Menge, das heißt,den Unwissenden gegenüber, eine Art von Unrecht. Die Mit-telmäßigkeit, die sich rübmt, wird stets an Ruhm, obgleichan vorübergehendem, das wahre übertreffen, welches aufRuhm nur nach dem glücklichen Erfolge Anspruch macht.
Sei es Gleichgültigkeit gegen die Ehrenbezeigungen derZeitgenossen, sei es Liebe zur Zürückgezogcnhcit, sei es Launedes Glücks, welches gerne seine Günstlinge wechselt; genug:Wren überlebte sich gewissermaßen selbst. Nachdem er mehrals fünfzig Jahre sich den mühsamsten und ehrenvollsten Arbei-ten gewidmet, verlebte er die letzten Zeiten seines langenLebens, von seinem Lande vergessen und gleichsam bemüht,sich selbst zu vergessen. Man weiß die Ursachen nicht, warumihm in seinem fünf und achtzigsten Jahre die Stelle alsGeneral-Direktor der königlichen Gebäude genommen worden.Er zog sich auf das Land zurück, wo er sich blos noch mitder Lektüre beschäftigte.
Wren hatte sich mit Foy, der Tochter des Ritters Cog-hill von Blcckington in der Grafschaft Oxford vcrhcurathct,die ihm einen Sohn gebahr, welcher wie er den NamenChristoph erhielt. Da er bald darauf Wittwcr wurde, ver-heurathete er sich zum Zweitcnmale mit Johanna, Tochterdes Lords Fitz-Williams. Er war dreimal Parlaments-De-putirter.
Trotz der Anzeigen eines zarten Temperaments, welchesin seiner Jugend bei ihm Anlage zur Auszehrung zu verkün-digen schien, brachte er durch ein weises und geregeltes Re-gime sein Leben auf ein und neunzig Jahre. Er wurdeunter dem Dom der St. Paulskirche begraben: ein aus-schließliches Vorrecht, welches, um sein Andenken zu ehren,
16 *