Band 
Zweiter Band.
Seite
100
JPEG-Download
 

100

Spanien und Portugal hatten ein gesondertes Interesse. DieNationen haßten sich, wie in früheren Zeiten die Engländerund Schotten.

Portugal stand, auch in politischer Hinsicht, unter briti-scher Vormundschaft.

3) Italien scheint durch seine Lage bestimmt zu seyn,Ein großes Reich zu bilden. Dennoch war es nur Ein-mal vereinigt unter der Römerherrschaft.

Am Ende des Mittelalters blühte Italien herrlich durchKunst und Handel. Einen heftigen Stoß erhielt esdurch die Reformation, die ihm reiche Hilfsquellen entzog,und doch den römischen Stuhl stehen ließ; einen zweitendurch den einreihenden Despotismus; den dritten und härte-sten durch die Entdeckung Amerika's, welche ihm den Welt-handel entriß.

Der einzige Staat Unter-Italiens war Neapel mit derInsel Sicilien.

Neapel stand, nach dem Untergang der Hohenstaufenund der Vertreibung der Franzosen mittelst der „sicilianischenVesper," lange unter habsburgisch-spanischer Herrschaft, bises, nachdem die Bourbons die spanische Krone gewonnen hat-ten, ebenfalls unter bvurbonische Herrschaft kam 1755.

Neapel hat den spanischen Druck und die Inquisition nieso bart empfunden, wie Spanien selbst, denn der neapolita-nische Adel behauptete sein Gewicht.

Während der Revolution beherrschte diesen Staat Ferdi-nand I., oder eigentlich seine Frau, die Königin Caroline,Tochter Maria Theresia's von Oesterreich. Caroline war an-fangs beliebt bei ihrem Volk, und in Europa gelobt wegenibrer geistigen Gaben. Äber sid ließ sich in ihrer Politikvon Haß und Leidenschaft regieren. Freilich läßt es sich den-ken, daß die Schwester Marie Antoinctte's vermählt mit ei-nem Bourbon, geleitet von einem rachsüchtigen Franzosenund der Gemahlin eines englischen Gesandten, die französi-sche Revolution auf den Tod haßte, und ihre Folgen und