2 .
Als Gottfried Kinkel das Gerichtszimmer verließ,und in seine Zelle zurückgeführt war, beschlich ihn derGedanke, daß man vielleicht doch das Todesurtheil überihn aussprechen könnte. Er glaubte endlich an dieWahrscheinlichkeit eines solchen Richterspruches, undschrieb folgende zwei Gedichte:
Mein Vermächtniß.
Das Beste, was das Leben giebt,
Das hab' ich nun genossen,
Mich hat ein edel Weib geliebtUnd gab mir holde Sprossen.
Im Frcundesreigen stand ich starkBeim Becher und in Fehde;
Mein Leib war fest, gesund mein MarkUnd golden floß die Rede.
Mir gab Natur ein fühlend HerzFür Seligkeit und Wunden;
Des Gottes Lust, des Wurmes SchmerzIch hab' ihn mitempfunden.
Es lag der Zeiten großes BuchVor meinem Geiste offen,
Der Freiheit Glück, der Knechtschaft Fluch,
Der Völker Gram und Hoffen.