1. Kap.) Apsilanti. Greuelthaten der Türken. 39
scheu Aufstand ab, den die europäische Diplomatie mit den Jnsurrectionenin Spanien und Italien auf gleiche Linie stellte.
Die Lossagung Rußlands, auf das man fest gerechnet hatte, vonder griechischen Sache, brachte Muthlosigkeit im hellenischen Heere und Un-einigkeit unter den Anführern hervor. Als die Türken die griechische Frei-heitsschaar bei Dragaschau angriffen (19. Juni 1821), flohen die Al-muten und die heilige Schaar wurde vergebens hingeopsert. Upsilanti zogsich nach der fiebeubürgischen Grenze zurück und überschritt dieselbe, alsdie beiden Treffen von Skutari unglücklich ausgefallen waren. Dieösterreichische Regierung verhaftete den griechischen Freiheitshelden undsperrte ihn sieben Jahre in Munkacz's Kellern ein, wo seine Gesundheituntergraben und der Keim seines frühen Todes gelegt wurde.
Um den Aufstand im eigentlichen Griechenland in der Geburt zu er-sticken, hatten die Türken alle griechischen Bischöfe und viele andere an-gesehene Männer nach Tripolizza gelockt und verrätherischer Weise einge-kerkert. Nur der Erzbischos Germanvs war dieser Falle entgangen undrief die Griechen (30. März 1821) zum Freiheitskampfe aus. Die frei-heitsstolzen, »»bezwungenen Mainoten in Lakomen unter Petras Mauro-michali (Petro Bey), die Arkadier unter Kolokotroni und die Thessalierunter dem ebenso listigen, als verwegenen Odyffeus griffen zu den Waffen,worauf bald die übrigen Landschaften nachfolgten. Die Türken wurden indie festen Plätze eingeschlossen. Dann erhoben sich die reichen und patrioti-schen Insulaner von Hydra, Spezzia und Jpsara, nachher die von Samosund Tino und rüsteten eine Flotte von einhundertunddreißig kleinen Kriegs-fahrzeugen aus, welche bald Wunder der Tapferkeit thun sollten. Frauenund Mädchen zogen in den Kamps und das Beispiel der heldenmüthigenBubelina, welche ein Schiff ausrüstete und selbst commandirte, standnicht vereinzelt da. Die Türken waren bei diesen Nachrichten in die gräß-lichste Wuth gerathen. Der Divan erließ einen Ausruf an alle Muselmännerzum Kampf für die Religion und reizte den Pöbel aller Orten gegen diein den türkischen Städten zerstreut wohnenden griechischen Kaufleute auf.Besonders mußten die reichen Fanarioten in Konstantinopel die grausameRache der Moslemin empfinden. Schauderhafte Greuelthaten an Grei-sen, Männern, Frauen und Kindern wurden verübt, ein großer Theil indie Sklaverei geschleppt, die meisten ermordet. Darauf wurden die Pa-triarchen von Ko'nstantinopel und Jerusalem genöthigt, den Bannstrahlgegen ihre aufständischen Landleute zu schleudern. Aber auch das konntedie rachsüchtigen Türken nicht versöhnen. Am Osterfeste 1821 ergriffensie den griechischen Patriarchen Gregorios beim Eintritt in die Kirche undhängten ihn nebst andern Geistlichen an den Thüren derselben auf. Diechristlichen Kirchen aller Orten fielen der Zerstöruugswuth der Türkenanheim; die griechischen Priester wurden dem Tode geweiht. Vergebens