46 Vernichtung der türkischen Flotte bei Navarin. sl. Kap.
eine russische unter Heyden, welche die ägyptisch-türkische im Hasen vonNavarin blokirten und alle Versuche, auszulaufen und Patras und Misso-lunghi zu verproviantiren, hinderten. Ibrahim, wüthend darüber, verheertenun den Peloponnes auf das Furchtbarste und ermordete Alles, was inseine Hände gerieth. Da dieses Hausen ein Bruch des zwischen den ver-bündeten Admiralen und Ibrahim geschlossenen Stillstandes war, so ver-einigten sich die drei Flotten bei Zante (18. October) und erschienen am20. auf der Höhe von Navarin. Die Türken hatten den Eingang desHafens mit Batterien besetzt, und ihre Flotte hufeisenförmig in zweiTreffen aufgestellt; die großen Schiffe, in erster Reihe, standen einanderso nahe, daß sie sich gegenseitig am Wenden hinderten; die kleinerenBriggs und Korvetten in zweiter Reihe, waren durch ihre Stellung fürden Kampf außer Rechnung zu bringen.
Die verbündete Flotte segelte Nachmittags zwei Uhr in den Hafenund stellte sich der türkischen gegenüber aus. Die Türken ließen alles un-gehindert geschehen, als Plötzlich eine ägyptische Fregatte gegen drei Uhrauf das französische Admiralschiff, das ihr sehr nahe kam, feuerte unddafür eine volle Ladung empfing. Die Landbatterien beschossen nun dieeben einlaufenden russischen Schiffe, wurden aber bald zum Schweigengebracht. Alle Schiffe eröffneten nun das Feuer; in wenig Stunden wardie Schlacht entschieden; die stolze Armada der Türken schwamm in Trüm-mern auf dem Meere; um eine Fregatte und fünfzehn kleine Fahrzeugeblieben flott. Codrington sandte gleich nach der Schlacht einen Courieran den englischen Gesandten in Konstantinopel, um das Leben und Eigen-thum der Christen in Sicherheit zu bringen, bevor der Sultan die Ver-nichtung seiner Flotte erführe. Der Eindruck, den diese Nachricht imDivan wie im englischen Parlament hervorbrachte, ist unbeschreiblich.Mahmud IV. gerieth in entsetzliche Wuth und drohte mit der Ermordungaller Christen. Besonders zürnte er auf Rußland, nannte es den erbittert-sten Feind der Türkei und rief alle Moslemin zum Kampf gegen die Un-gläubigen auf. Das englische Cabinet beurtheilte den Sultan darumweniger streng, weil der große, entschiedene Geist Canning's (gest. 8. Aug.1827) nicht mehr die englischen Staatsmänner beseelte. Lord Goderich,Canning's Nachfolger, gab dem Geschrei der englischen Kaufleute nachund that nichts, um, wie Europa erwartete, einen Sieg zu benutzen, derStambul dem ersten Anlaufe preisgab und den Untergang der Türkeiherbeiführen mußte. Man duldete ruhig die Barbareien der Aegypter,welche viele Tausende als Gefangene fortschleppten, bis Rußland end-lich seinen Verbündeten vorschlug, der Pforte gemeinschaftlich den Kriegzu erklären, sie zu demüthigen und dann großmüthig in ihre Befugnissewieder einzusetzen. Goderich, der den englischen Gesandten in Konstanti-