Band 
(1815 - 1854)
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78
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Eroberung Algiers.

st. Kap.

Es kam nun Alles auf die neuen Wahlen an. um die Pläne desHofes aus gesetzlichem Wege durchzuführen. Der König erließ zu diesemBehufe eine würdige Ansprache an das Volk; die Ministerien schärftenden Verwaltungsbeamten den größten Eifer ein. die Wahlen im Sinneder Regierung zu lenken und endlich sollte der Kriegsruhm dem Ehrgeizeder Franzosen schmeicheln und fie mit der königlichen Familie aussöhnen.Das Mittel war sehr geschickt ausgedacht; allein der König beging denFehler, dem verhaßten Bourmont den Oberbefehl über die Expeditionzu ertheilen.

Diese Expedition war gegen den Dey von Algier gerichtet, welcheralle christlichen Schiffe ausplünderte und namentlich dem französischenHandel vielen Schaden zugefügt hatte. Vergebens ließ ihm die französi-sche Regierung Vorstellungen darüber machen; vergebens ordnete fie eineBlocade der Algier'schen Gewässer an. Der Dey machte nun eine Gegen-rechnung wegen des Schadens. den französische Schiffer seinen Kauf-leuten angerichtet hatten und schlug den französischen Generalconsul.der Einwendungen dagegen erhob, frech mit dem Fliegenwedel in's Gesicht.Diese Beleidigung einer geheiligten Person bestimmte Poliguac zur Kriegs-erklärung gegen Algier (29. April 1830). In Toulon wurde eine großeFlotte ausgerüstet und unter den Befehl Duperrs's gestellt. Das Lan-dungsheer von 38,000 Mann commandirte Bourmont. welcher sich seinerAufgabe vollkommen gewachsen zeigte. Nachdem er am 13. Juni dieAusschiffung seiner Truppen in Afrika bewirkt hatte, wurde er von denArabern am 19. Juni in seinem Lager angegriffen. Er jagte zwar dieFeinde in die Flucht und eroberte ihr Lager bei Staoneli. hatte indeßschon am 24. ein zweites sehr hitziges Gefecht zu bestehen. Nach vielenVerlusten, welche ihm das Klima und die herumschweifenden Araber zu-fügten, langte Bourmont am 29. Juni vor Algier an und schritt zurBelagerung. Am 4. Juli waren die Laufgräben fertig und das Geschützspielte aus allen Batterien gegen das Kaiserschloß. Zugleich war einSchiffsgeschwader am 29. Juni unter dem Contreadmirnl Rosamel in dieBai von Algier gedrungen und unterstützte mit einem kräftigen Feuer dieAnstrengungen des Landheers. Endlich, als die Türken die Fruchtlosig-keit ihres Widerstandes einsahen, sprengten fie das Kaiserschloß in dieLust. DerDey capitulirte und durfte sich mit seinen Frauen und Schätzennach Neapel begeben. Am 5. Juli zog Bourmont in Algier ein. wo erunermeßliche Beute fand. Fünfzehnhundert Kanonen, siebenzig Kriegs-fahrzeuge und der Schatz der Casauba von achtzig Millionen Francs,fiel in die Hände der Sieger.

Das Volk blieb bei dem Siege, welcher der ganzen Christenheitzum Vortheile gereichte, theilnamlos; es erleuchtete nicht einmal die Fenster.