Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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389
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4. Kap.) Die Stellung der Nationalversammlungen. Z89

Clubs, welcher sich ebenso gut gegen die Freunde, wie gegen die Feindekehren konnte und gekehrt hat. Die Würde der Volksvertreter wurdeschmachvoll beschimpft; zuerst kam die „Rechte" daran, der man, wiein Berlin, sogar Stricke vorzeigte, dann die „Linke" in Frankfurt, alssie im September den Versuch machte, sich aus den Banden einerrohen, von wahnsinnigen und sittenlosen Führern erhitzten Menge zu be-freien. Hat die Idee des Afsociationsrechts etwas Blendendes für solche,die sich nur in Theorien zu bewegen gewohnt sind, — und damals waralles theoretisch und ideal — so hat die Erfahrung nicht minder das Ver-führerische und Gefährliche des unbeschränkten Associationsrechtsdargethan. Wohl durfte damals der Vaterlandsfreund trauern, wenn er dieWirksamkeit mancher Clubs überschaute, und seine Anstrengungen, dieselbezu regeln, mit Mistrauen belohnt sah. Aber die Ueberzeugung von derUnverträglichkeit des freien Associationsrechts mit der Ordnung desStaatslebens faßten selbst jene edlen Menschen erst dann, als die Fülleder bitteren Erfahrung sich wie eine drückende Last auf ihre Herzen wälzteund sie im eigenen Alpdrücken die Beklemmungen und furzen Athemzügedes untergehenden Staats belauschten. Getäuscht von Petitionen mitvielen Tausend Unterschriften, besangen in dem Bestreben, sich populärzu machen, in der Meinung, daß die Wünsche der unwissenden Menge,die ohne Verständniß unterschrieb, der wahre Ausdruck der „Volkssouve-rainetät", durch die sie sich versammelt wähnten, sei, haben die National-versammlungen eine ganz schiefe Stellung zu Fürst und Volk eingenom-men und mehr im Reiche der Träume als der Wirklichkeit gelebt. Anstattzu leiten und das Werk der Ordnung zu fördern, find sie die Gestoßenengewesen und haben sich zu Beschlüssen fortreißen lassen, die tiesgewurzelteZustände und unleugbare Thatsachen mit einem Federzuge vernichteten,ohne andere Mittel zu Ausführung dieser Beschlüsse zu besitzen, als denfalschen Glauben an die ewige Fortdauer der Revolution, der Massen-bewegung. Auf der anderen Seite bestärkte dieses fast widerstandsloseEingehen der Nationalversammlungen in die Volkswünsche die wankel-müthige Menge in dem Glauben, daß sie der Herr sei und daß Alles,was ihr der Augenblick eingebe, von einer höheren Inspiration getragenwerde. Noch niemals hat das „vox xoxuli, vox vor" eine allgemeinereund verderblichere Anwendung gefunden, als in jener Wechselwirkung,welche zwischen den Vereins - und Volksversammlungen und den Natio-nalversammlungen stattfand. Noch nie sind die Kammern in eine größereAbhängigkeit und Augendienerei verfallen, als damals; aber sie hattenkein Bewußtsein von dieser Schwäche, da sie von einer Idee besessen wa-ren. die Alles, was sie dem Volk zu Liebe thaten, als freie Willens-äußerungen erscheinen ließen. Und was war das für ein „Volk", von dem