Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
Seite
481
JPEG-Download
 

4. Kap.) Der Zollverein. — Versteigerung der deutschen Flotte. 481

Joseph erschien unvermuthet in Berlin (17. December), wo die Zolldiffe-renzen ausgeglichen wurden. Oesterreichische und preußische Bevollmäch-tigte schloffen in Berlin den Zoll - und Handelsvertrag zwischen beidenStaaten ab (19. Februar 1853). Derselbe ist giltig für dieDauer vonzwölf Jahren und der Beitritt zu ibm wird allen Staaten vorbehalten,die mit Preußen vom 1. Januar 1854 ab zum Zollverein verbundensein werden. Oesterreich legte diesen Vertrag der Wiener Zollconserenzvor, die ihre Beistimmung ertheilte und auseinanderging (22.). DerSeptembervertrag trat in Hannover am 23. ins Leben und bekundeteseine Existenz durch die Einführung höberer Zölle und die Aufhebung desHarburger Freihafens. Die neuen Zollvereinsconferenzen in Berliü wur-den fleißiger besucht (12. März) und der Zollverein selbst am 4. Aprilunter Aufnahme des Steuervereins auf zwölf Jahre wiederhergestellt,worauf Oesterreich und Preußen die beiderseitigen Ratificationen auswech-selten. Am 1. Januar 1854 sind Oesterreich und alle deutschen Staa-ten in ein erleichtertes Verkehrsverhältniß getreten, welches große Folgenverspricht. Von ebenso bedeutendem Einfluß ist schon der deutsch-öster-reichische Postverein geworden (1852) und Deutschland giebt sich derHoffnung hin, daß der für die nächste Zeit angekündigte Münzcon-greß ihm auch die Münzeinheit bringen werde. Man scheint die Wege derformell-politischen Einigung Deutschlands aufgegeben zu haben und vonden materiellen Mitteln eine bessere Union als durch Bundesversaffungs-resormen, und größere Zufriedenheit der Bürger zu erwarten. Auf denAntrag Oesterreichs, Preußens und Sachsens wurden die Bundescontin-gente um 50,000 Mann erhöht (11. März 1853).

Werfen wir noch kurz einen Blick auf die deutsche Flotte, welchevon der Einheitsbegeisterung der Nation im Jahr 1848 mit großenOpfern geschaffen worden war. Sie bestand aus zehn größeren Kriegs-schiffen , unter dem Oberbefehl des Contre-Admirals Brommy, lag un-thätig in Bremerhafen und wurde von dem Marinerath in Frankfurt ver-waltet. Als Preußen wieder in den deutschen Bund eintrat, beanspruchtees die Repartirung der von ihm für die Flotte gemachten Vorschüsse ausalle deutschen Staaten. Als diese die Zahlung weigerten und die User-staaten aus dem Flottencongreß in Hannover (20. März 1852) einenvergeblichen Versuch machten, die Flotte dem Gesammtvaterlande zu er-halten , übergab man die Kriegsschiffe Eckernförde (Gefion) und Barba-rossa Preußen als Entgelt für seine Auslagen (10. April); den schlech-teren Rest der Flotte noch länger zu unterhalten, bezeigten die Binnen-staaten und Oesterreich keine Lust. Demnach beschloß man die öffentlicheVersteigerung der Flotte und alles Schiffsmaterials, mit Inbegriff einesSchiffssarges, nach dessen Verkauf die deutsche Flotte begraben war. Am11. December 1852 wurden vom Kommissar Fischer sechs Dampfschiffe

WeltMichte. m. zi