Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
Seite
527
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4. Kap.) Die Schlachten von Oltenitza und Sinope. 527

Vergebens hatte die ganze europäische Diplomatie zwischen den strei-tenden Parteien zu vermitteln gesucht, und gab auch jetzt ihre Absichtennicht auf. Wien wurde der Sitz einer Conserenz der Vertreter Englands,Frankreichs, Oesterreichs und Preußens, die am 24. Juli ein Vermit-telungsproject ausarbeiteten, welches den Beifall des Czaren, aber nichtden der Pforte hatte. Vielmehr machte dieselbe MoLificationen, wodurchalle das Recht Rußlands zur Besetzung türkischen Gebiets bestätigendeAusdrucke entfernt wurden, und erließ ein Manifest an ihre Völker, dieIntegrität und Unabhängigkeit des Landes zu wahren. Die Rüsten hat-ten nämlich in den Donanfürstcnthümern schon die Herren gespielt undden Hospodaren befohlen, ihren Tribut, statt an die Türkei, an dierussische Kciegskaffe zu zahlen. Später wurde sogar General v. Budbergzum außerordentlichen Bevollmächtigten für Civilverwaltung und Gerichts-wesen ernannt (November). Dadurch war die Nationalehre der Türkenaufs Empfindlichste gekränkt; ihre kriegerische Stimmung steigerte sichins Maßlose, sodaß der Sultan derselben nachgeben, und am 25. Sep-tember den Krieg an Rußland erklären mußte. An den Oberbefehlshaberder türkischen Donauarmee, Omer Pascha, erging der Befehl, von demrussischen Obergeneral, Fürst Gortschakoff, Räumung der Donaufürsten-thümer binnen fünfzehn Tagen zu verlangen, im Gegensalle die Feindselig-keiten beginnen sollten. Zwar erwirkten die Wiener Diplomaten noch einenAufschub bis zum 1. November; ehe aber der Befehl dazu von Konstan-tinopel eintraf, hatte schon die russische Donauflottille mit den Batterienvon Jsaktscha ein glückliches Gefecht bestanden (23. October). OmerPascha zögerte nicht, den Krieg mit Nachdruck und Geschick fortzusetzen.Da es ihm wohl bekannt war, daß russische Agenten die bulgarischenChristen aufwiegelten und die Rüsten von den Serben sehnsüchtig erwar-tet wurden, ordnete er den Uebergang der Armee bei Kalafat an und ließhier starke Festungswerke aufführen. Gleichzeitig setzten auch die Türkenaus andern Punkten von Silistria bis Widdin über die Donau und be-standen mehrere glückliche Gefechte gegen die Rüsten, namentlich beiOltenitza (4. November). Die ungünstige Witterung brachte jedochdie Operationen zu Lande bald ins Stocken. Mittlerweile hatte dieenglisch-französische Flotte in den Dardanellen vor Gallipoli Anker ge-worfen. England und Frankreich erklärten sich zu Beschützern der Pforteund hatten Rußland davon benachrichtigt. Trotzdem erfolgte der Angriffder russischen Flotte unter Nachimoff auf sieben türkische Fregattenund zwei Dampfer im Hafen von Sinope (30. November). Dieses Eretg-niß, weiches den Kriegsmuth des türkischen Ministeriums erschütterte,zerstörte die eben erst geschlossene Uebereinkunft der Wiener Conserenz vom

5. December hinsichtlich eines Rußland günstigen Friedensprojects, dasin Stambul angenommen zu werden Ausficht hatte. England und Frank-