Band 
Erster Band.
Seite
87
JPEG-Download
 

Wie hätte sich aber denken lassen, daß der kaiserlicheHof, der ebenfalls in seinem Rechte zu sein glaubte, hier-auf eingegangen wäre? Der spanische Gesandte sagte dembrandcnburgischen, das Haus Östreich werde niemals einProtestantisches Haus in der Mitte seiner Erbländcr Fußfassen lassen, auch schon deshalb nicht, weil alle Überresteder Evangelischen sich an dasselbe anschließen würden.

Um so umfassender aber war das Interesse von Bran-denburg ; die größte Aussicht eröffnete sich demselben aufeine Erweiterung nicht allein seines Gebietes, sondern auchseines Einflusses auf Deutschland und Europa.

Wie dann, wenn Friedrich Wilhelm, gereizt und be-leidigt wie er war, es unternahm, seinen Anspruch mitHülfe von Frankreich durchzusetzen, mit dem er seitdem inein sehr vertrauliches Vernehmen getreten war? Von seinenjägerndorfschen Rechten hatte er dem König von Frank-reich bereits Mittheilung gemacht, und von ihm eineZusage der Unterstützung erhalten. Ein solcher Verbün-deter fehlte dem Könige eben noch um das allgemeineÜbergewicht in Europa davon zu tragen. Nichts er-schien in Wien gefährlicher als diese Allianz. Der Hoflehnte eine Hülfsmacht ab, die der Churfürst gegen dieTürken anbot, so dringend auch die Gefahr dieses Krie-ges sein mochte; er meinte, die Brandenburger könn-ten sich bei dem Durchzug in Besitz der schlesischcn Für-stenthümer setzen: er besorgte ganz ernstlich, der Chur-