Buch 
Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
Entstehung
Seite
28
JPEG-Download
 

Schlange unter die Schwelle des Hauses gelegt habe. DieSchlange wurde zwar nicht gefunden, weil sie vielleichtin Staub verwandelt war, aber als man einen Theil derErde von dort fortgenommen, kehrte die Fruchtbarkeitbei der Frau und dem Vieh wieder.

Dass solche Bekenntnisse das Produkt des Wahn-sinns, darauf kam damals Niemand. Der Glaube an An-thropophagen geht durch die ganze Zeit des Hexenwahns;eine grosse Menge von denen, die sich Bekenner undAnbeter des Teufels nannten, rühmte sich Kinder ver-schlungen und von ihrem Fleische gelebt zu haben. AViewenig gehört aber dazu, dass ein verschüchtertes, vonAngst und Schrecken erfülltes Gemüth sich selber derscheusslichen Verbrechen anklagt und in der Steigerungder Selbstanklage eine Art Genügen findet? Wir findenin dem Irrenhause eine Menge Beweise, dass gerade dieschuldlosesten und reinsten Gemüthcr in melancholischemWahnsinn am meisten erfinderisch sind, Verbrechen aus-zudenken und zu übertreiben. Es ist aber natürlichauch iu jener Zeit, wie in der heutigen vorgekommen,dass Wahnsinnige derartige Verbrechen wirklich verübthaben. So hackte 1578 Barbe Dore, die Frau eines Ar-beitsmaunes aus der Gegend von Soissons, ihrem eignenKinde und dem Kinde der Nachbarin mit einer Sense denKopf ab, und erklärte vor Gericht, der Teufel sei ihr un-ter der Gestalt eines schwarzen Mannes erschienen undhabe sie zu diesem doppelten Verbrechen angetrieben x ).Ungefähr um dieselbe Zeit wurde in Mailand eine Fraugerädert, die ein Kind erdrosselt und aufgegessen hatte. EinDämon hatte ihr versprochen, nach einem solchen Opferwürde sie zeitlebens glücklieh sein * 2 ). In Bern dagegenwar kein Einziger wirklich auf der That ertappt worden,weshalb die Theologen behaupteten, die Teufel machtenihre Zauberer unsichtbar.

10 Bodin, Demonomanie des sorcicrs, präf. p. 5. et p. 173.

2 ) Bodin ibid. p. 94.