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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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delt würden (s/ri^r). Man schrieb diesem Vogel das Ge-lüste zu, sicli von den Leichnamen zu nähren, dass er inder Dunkelheit zu den kleinen Kindern flöge, um ihr Blutzu saugen, und die alten Weiber hätten dasselbe Gelüst,um sich zu verjüngen. In den ersten Jahrhunderten nachChristi Geburt schrieben die Heiden den Christen Ver-brechen dieser Art zu; in ihren heimlichen Versammlun-gen, besonders in der Weihnachtszeit, sollten sie Kinderschlachten und ihr Blut trinken *). Die ersten Inquisito-ren nahmen diese im Volke fortgeerbten Fiktionen alsWahrheit auf; Zauberer oder Teufelsanbeter waren ihnenzugleich Mörder; sie nannten sie Lamien, striges oderLästrigonen, mit Bezug auf die alten Menschenfresser vonKampanien. Was aber die Richter glaubten, der verhält-nissmässig aufgeklärtere Theil der Nation, davon musstedas Volk noch vielmehr überzeugt sein, und wenn sichdie Unglücklichen selber solcher Thaten beschuldigten, sowar es nur der Ausdruck einer allgemeinen feststehendenUeberzeugung.

3. Epidemisches Vorkommen des Teufelswahns in

Artois.

Unter dem Namen Vaudoisie herrschte im Jahre 1459in Artois ein Wahn, dass die Dämonen Viele heimlich inder Nacht zu den Zusammenkünften trügen, wo Bühd-nisse mit dem Teufel stattfänden und fleischliche Vermi-schung. Ohne zu wissen, ivie es geschehen, fänden sicham andern Morgen die Theilnehmer der nächtlichen Ver-eine in ihrer Wohnung wieder.An dem Orte der Zu-sammenkunft ist ein Teufel mit menschlicher Form, des-sen Gesicht aber von Keinem gesehen; der liest ihnenseine Befehle vor, und dann muss Jeder seinen Hinternküssen und er giebt ihnen Geld und Wein und Speisen

1) De Chateaubriand, Etndes liistoriqiies T. 4. p. 196. Editionde P nur rat. Dann: St. Kpiphan. Opera oinnia. Paris 1622iu f'olio. JH6resie 26.