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Die anabaptistischen Propheten schienen wie vonEpilepsie ergriffen; ihr Gesicht veränderte sich unnatür-lich; sie fielen auf die Erde, verzogen den Mund, roll-ten die Augen in ihren Höhlen, und schienen von irgendeinem Dämon gequält zu werden. Wenn sic die Zu-schauer mit diesem Anblick hinlänglich gespeist hatten,so liessen sie ihre Prophezeiungen hören.
Die Vorgänge in Münster sind hinlänglich bekannt *).— Es ist kaum glaublich, bis zu welcher Selbstverleug-nung und Aufopferung der Fanatismus die Anabaptistenbefähigte. Sie liessen sich die Finger, die Zunge, dieNase, die Ohren abschneiden, sie liessen sich zu Hunder-ten in den Flüssen ersäufen, ehe sie nur einen Augen-blick die Befehle, die sie von Gott erhalten zu habenmeinten, nicht erfüllen mochten. Einer predigte nocham Fusse des Galgens, wo ihm schon der Strick um denHals geschlungen war: „ich sehe den Engel des Herrn”,rief er aus; „er tröstet mich in meinem Unglück; wennihr keine Sünder mehr seid, so wird euch der Wieder-täufer nicht mehr verhasst sein. Schlag zu, Henker,ich leide für Jesus und seine Taufe; schlag zu undmache aus meinem Körper ein Opfer, das dem Herrnangenehm ist.” — Eine Frau von Basel verhungerte imGefängnisse, weil sie überzeugt war, der Herr werdesie durch unsichtbare Speisen nähren, wenn sie, wie Got-tes Sohn, vierzig Tage zu fasten versuchte. — In Fuldawollte ein Prophet auf dem Wasser gehen. An demdazu bestimmten Tage trat er im Beisein einer grossenVolksmenge mit begeistertem Blicke an das Ufer desFlusses und verlangte einen unschuldigen Säugling mitsich zu nehmen. Eine Mutter gab ihm ihr Kind, undwenige Sekunden später waren beide in der Tiefe desStromes versunken. —
Weil nach der Ansicht der Wiedertäufer der Schmutzdes Fleisches nicht bis zur Seele herandringt, weil derGeist nicht sündigen kann (Tesprit impeccable ), so konnten
1) Catrou I. c. p. 2fi0, 350, 373.
Ca Im eil.
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