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Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten / nach dem Französischen des Calmeil bearbeitet von Dr. Rud. Leubuscher
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Die Erscheinungen zeigten im Allgemeinen eine grosseAehnlichkeit. mit den Symptomen der Hysterie; auffallendwar in mehreren Fällen von Paralyse, und zwar beihalbseitiger Lähmung, wenn sie auch schon seit langerZeit bestanden hatte und schon mit Verkürzung des Glie-des complicirt war, dass die Konvulsionen vorzugsweiseauf der kranken Körperseite ausbrachen, und manchmalerschien diese Erschütterung als eine Art von Krise, aufwelche Heilung folgte. Viele empfanden nach dem kon-vulsivischen Anfall ein schwer zu beschreibendes Gefühlvon Wohlsein. Der Anfall begann gewöhnlich mit demEinschlafen eines Gliedes oder mit dem Gefühl von Formi-kation f Ameisenkriechen), dann folgte ein allgemeines Zit-tern, das bald in heftige Bewegungen des ganzen Kör-pers überging '). Die Horzcontractionen waren dabei be-schleunigt. Das Bewusstsein war nicht immer aufgeho-ben, gewöhnlich stiessen die Kranken während des An-falls lautes Geschrei aus. — Um die Anfälle wieder her-vorzurufen, genügte selbst das Trinken von Wasser, indas Erde von Paris Grabe hincingeschültct war 1 2 }.

Am 27. August 1731 wurde ein seit der Geburt taub-stummes Mädchen auf den Kirchhof gebracht, und als mansie auf das Grab setzte, verfiel sie in heftige Krämpfe,auf die ein reichlicher Schweissausbruch folgte. Sie gicbtdurch Zeichen zu verstehen, dass sie im Kopfe, im Halseund in den Ohren heftige Schmerzen empfinde. Sie lässtsich an demselben Tage noch mehrmals auf das Grab tra-gen und die Konvulsionen kehren jedesmal wieder, dauernauch in ihrer Wohnung noch bis neun Uhr Abends. Am28. und 29. wiederholen sich dieselben Vorgänge, und am30. kann sie, als sie aus einer langen Ohnmacht wiederzur Besinnung kommt, hören, und artikulirt die Worte,deren Klang ihr Ohr trifft, noch ohne sie zu verstehen.Wahrscheinlich war hier die Erschütterung der motori-

1) T. 2. p. 3fi et sqq.

2) D. Lataste, Lettrce tliöologiqnes etc. Tom. 2. p. 1272.