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mir unleserlich — selbst wenn eine königliche Akademie mich,wie Lepsius, mit Geld zum Studium vollauf ausgerüstethatte, so würde ich wahrscheinlich noch weniger verstandenhaben. Freilich entgeht mir so die Genugthuung, den Ku-kuk aus dem Wappen meines Mäcenas in hieroglyphischerRaupcnschrift der Nachwelt an den Wänden irgend einesMuseums zu übergeben! Fatale demokratische Geistesrich-tnng, welche uns jene Ermunterungen entzieht, die aus derWissenschaft die melkende Kuh machen! Uns rohen, unwis-senden, oberflächlichen, ungebildeten Subjekten bleibt sie nurdie hehre Göttin, die stets in weitere Ferne entschwebt, jemehr wir uns nahen! Weise Staatsfrösche aus dem Cen-trumssumpfe, ihr, deren Andenken uns lange überlebenwird, lehrt uns, ich beschwöre Euch, jenen zauberischen Un-kengesang, jenes melodische Nhythmusgequack, das die Göttinzur melkenden Kuh wandelt, deren Milch ihr in Göt-tingen und Greifswald in reichlicher Fülle schlürft! — Dochhinweg mit diesem Bilde — zu meinen Hieroglyphen! —Ich fand mich getäuscht! Was ich lesen konnte, wußte ichschon lange aus unseren Naturgeschichten, und Denjenigen,welche keine Bücher lesen, haben die Zeitereignisse jeneWahrheiten mit blutigen Gcdenkzeichen in das Gedächtnißzurückgerufen. Sie kannten sie schon lange, aus alten Sa-gen, ohne daß sie darum fester daran geglaubt hätten. Gehtes uns doch mit Allem so! Was nackt und klar unseremVerstände oder unserem Wissen vorliegt, das wollen wirerst glauben, wenn wir es mühsam aus alten Hieroglyphenentziffert haben, und was in den vergilbten Pergamentensteht, glaubt man oft ohne weitere Prüfung. Das abge-schmackte Mahrchen von Adam glauben die großen Kinder